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6000 Beschäftigte im Landkreis mit Mini-Job

Altersarmut
Datum:
Veröffentlicht: 11.6.13
Von:
Andreas Welz - Obermain-Tagblatt

Bündnis "Soziales Oberfranken" weist auf "Fehlentwicklungen" in der Arbeitswelt hin - Plakataktion

LICHTENFELS Es sind alarmierende Zahlen: Laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen droht jedem dritten Arbeitnehmer eine Rente unter der Grundsicherung von 688 Euro. Immer mehr Ältere stehen immer weniger Jüngeren gegenüber. Dadurch entstehen Herausforderungen für die Sozialversicherungssysteme. Das Bündnis „Soziales Oberfranken“ will mit einer Plakataktion auf die Probleme aufmerksam machen. Die Problematik betrifft auch etliche Menschen im heimischen Landkreis. Am Freitag wurde an der Bushaltestelle in der Lichtenfelser Mainau eines der insgesamt neun Plakate geklebt, die in Oberfranken gezeigt werden.

Norbert Jungkunz von der Katholischen Betriebsseelsorge Bamberg machte gegenüber dem OT den Sinn der Aktion deutlich: „Uns sind die Menschen wichtig. Wir wollen, dass alle Menschen in Würde altern können“.
Altersarmut sei eine der großen Zukunftssorgen der Menschen. Immer mehr Rentnerinnen und Rentner müssten schon heute putzen gehen oder die Zeitung austragen, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Das Armutsrisiko der Rentner sei von 2005 bis 2011 von 10,7 auf 13,8 Prozent gestiegen. Was heutzutage noch eine Randerscheinung sein mag, drohe in Zukunft ein Massenphänomen zu werden, befürchtete Jungkunz. Denn das Niveau der gesetzlichen Rente befinde sich im Sinkflug. Die Debatte um die Zuschussrente lenke davon ab, dass die Altersarmut künftig bis weit in die Mittelschicht reichen werde. „Und die Riester-Rente hat sich längst als teurer Flop herausgestellt“, kritisierte der Pastoralreferent. Gleichzeitig boome der Niedriglohnsektor. Fast ein Viertel der Beschäftigten müsse zu Niedriglöhnen arbeiten. Durch die Armutslöhne drohe Altersarmut. Der Anteil der atypisch Beschäftigten habe sich seit den 1990er-Jahren von etwa 20 Prozent auf mehr als ein Drittel aller Arbeitnehmer erhöht, zitierte Jungkunz das Faltblatt des „Bündnisses Soziales Oberfranken“. Die Entwicklung der Reallöhne sei nach Abzug der Preissteigerung je Beschäftigtem zwischen 2000 und 2012 um rund 1,8 Prozent gesunken. Auch die Niedriglöhne breiteten sich weiter aus. In Oberfranken seien von dieser Entwicklung nach Angaben der Agentur für Arbeit mit Entgelten unter der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle zwischen 19,7 Prozent in Bamberg und 29,6 Prozent im Landkreis Lichtenfels betroffen. Rund siebeneinhalb Millionen Menschen in Deutschland arbeiteten in Mini-Jobs für maximal 450 Euro im Monat. Die Arbeitgeber wandelten besonders im Dienstleistungsbereich immer mehr reguläre Arbeitsplätze in solche ,,450 Euro-Jobs“ um. „Mittlerweile arbeitet jeder fünfte in Deutschland in einem Mini-Job, im Einzelhandel ist es sogar jeder dritte“, betonte Jungkunz. Im Landkreis Lichtenfels seien es rund 6000 Beschäftige, eine Zunahme von 71 Prozent seit 2002.

Viele Menschen stockten zudem ihr Gehalt durch Hartz-IV-Leistungen auf, erläuterte Jungkunz weiter. In Oberfranken gab es im September 2012 4170 „Aufstocker“, im Landkreis Lichtenfels 487. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten im Jahr 2011 28,4 Prozent der Männer und 14,7 Prozent der der Frauen in einem nicht freiwilligen Arbeitsverhältnis. Teilzeittätige, die gerne Vollzeit arbeiten würden, aber auf dem Arbeitsmarkt keine entsprechende Stelle finden konnten.

Dem Bündnis Soziales Oberfranken gehören an: Die AfA - Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD, die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB), die Betriebsseelsorge der Erzdiözese Bamberg und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Kirche in Bayern.