"Allianz für den freien Sonntag" gegründet
Ein gemeinsamer Ruhetag für die gesamte Gesellschaft
Auch in Bamberg hat sich jetzt eine "Allianz für den freien Sonntag" gegründet. Diese Gründung erfolgte aus dem "Sozialen Bündnis Bamberg" heraus und umfasst kirchliche Organisationen und Verbände wie die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), die Katholische Betriebsseelsorge, den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der evangelisch-lutherischen Kirche, die evangelische afa genauso wie die Gewerkschaften. Für andere Organisationen ist die Allianz offen. Hintergrund dieser Gründung ist die Tatsache, dass in vielen Bereichen unseres Wirtschaftens die Sonntagsarbeit nicht mehr die Ausnahme, sondern in zunehmendem Maße zur Regel wird.
Bei der Vorstellung des Bündnisses machte dies KAB-Geschäftsführer Ralph Korschinsky am Beispiel des verkaufsoffenen Sonntags deutlich. Aktuell habe der Stadtmarketingverein für den 11. November - also nur vier Wochen nach dem ohnehin schon bestehenden verkaufsoffenen Sonntag im Herbst - einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag beantragt und dazu ein "traditionelles Kürbisfest in Bamberg" zum Anlass genommen.
Korschinsky war es wichtig, die Scheinargumente des Stadtmarketing kritisch zu hinterfragen. Immer neue Anlässe außerhalb der Stadt Bamberg würden herangezogen um den Sonntag in Bamberg zu beschädigen. Zuletzt die Eröffnung der Arcaden in Erlangen. Nur werde nicht belegt, ob und wie viele Konsumenten zum Einkaufen nach Erlangen fahren.
Auch fragwürdige Befragungen durch das Stadtmarketing würden nicht helfen, objektiv zu belegen, wie viele Menschen tatsächlich einen verkaufsoffenen Sonntag überhaupt wollen. Repräsentative Befragungen verschiedener Institutionen sprächen alle eine deutliche Sprache. Die Mehrheit der Bevölkerung könne gut auf verkaufsoffene Sonntage verzichten.
Der DGB-Regionsvorsitzende Werner Schnabel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Sonntagsarbeit aber nicht nur ein Problem des Einzelhandels sei, sondern dass sie auch in der Industrie immer mehr um sich greife. "Und dies in Branchen, wo es keine technische Notwendigkeit für eine vollkontinuierliche Produktion gibt."
Die Allianz weist darauf hin, dass es bei dieser Thematik nicht nur um die Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch geht: "Ein gemeinsamer Ruhetag ist für die Familie, ja für die gesamte Gesellschaft wichtig", betonte Werner Schnabel. "Er dient dem Zusammenhalt von Familie und schafft einen verbindlichen Ordnungsrahmen für den Zeitrhythmus unserer Gesellschaft".
Eine rast- und ruhelose Gesellschaft könne niemand ernsthaft wollen. Nach den Bestimmungen des Grundgesetzes sei der arbeitsfreie Sonntag in der Regel und die Sonntagsarbeit eine Ausnahme.
"Dieses Regel-Ausnahmeverhältnis wird - begünstigt durch die Novellierung des Arbeitszeitrechtes im Jahr 1994 - mehr und mehr umgekehrt", erläuterte Korschinsky. Deshalb wolle man auch in Bamberg, wie dies in Bayern, ja im gesamten Bundesgebiet bereits geschehe, die Kräfte bündeln, um diese Entwicklung Einhalt zu gebieten.