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Arbeitslos in Zeiten von Corona: Denkanstöße der Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeitslosenpastoral

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Datum:
Veröffentlicht: 14.7.21
Die Coronakrise hat Betriebe und Einrichtungen sehr unterschiedlich getroffen. Die einen sind Krisengewinner wie z.B. der Lebensmittelhandel, Onlinehändler, Drogeriemärkte usw. Andere wenige haben sehr flexibel reagiert und ihre Produktpalette umgestellt und z. B. mit ihren Maschinen Atemschutzmasken hergestellt. Ein großer Teil der produzierenden Betriebe hat schnell das Instrument Kurzarbeit genutzt und Arbeitsplätze gesichert. In Betrieben mit Betriebsrat und Gewerkschaft wurden oft gute Regelungen gefunden, um negative Auswirkungen für die Beschäftigten möglichst gering zu halten. Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist trotzdem groß geblieben.

Als Vertreter*innen von Betriebs- und Arbeitslosenseelsorger*innen, Verantwortliche von Beschäftigungs- und Qualifizierungseinrichtungen aus zehn Diözesen, die seit vielen Jahren für und mit Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen arbeiten, geben wir Stellungnahme ab.

Die Coronakrise hat Betriebe und Einrichtungen sehr unterschiedlich getroffen. Die einen sind Krisengewinner wie z.B. der Lebensmittelhandel, Onlinehändler, Drogeriemärkte usw. Andere wenige haben sehr flexibel reagiert und ihre Produktpalette umgestellt und z. B. mit ihren Maschinen Atemschutzmasken hergestellt. Ein großer Teil der produzierenden Betriebe hat schnell das Instrument Kurzarbeit genutzt und Arbeitsplätze gesichert. In Betrieben mit Betriebsrat und Gewerkschaft wurden oft gute Regelungen gefunden, um negative Auswirkungen für die Beschäftigten möglichst gering zu halten. Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist trotzdem groß geblieben.

Arbeit ist identitäts- und sinnstiftend und ein Schlüssel zu sozialer Gerechtigkeit. Mit Papst Franziskus, stimmen wir überein: „Es gibt keine schlimmere materielle Armut als die, sich das tägliche Brot nicht zu verdienen und der Würde der Arbeit beraubt zu sein.“

Die Pandemiesituation hat sehr deutlich gemacht, wie fragil unter anderem der Arbeitsmarkt ist. Besonders von den Auswirkungen der Pandemie betroffen waren und sind arbeitslose Menschen und Bezieher*innen von Grundsicherungsleistungen. Viele von ihnen zählen zu den Risikogruppen und lebten schon vor Corona unterhalb des soziokulturellen Existenzminimums.

Auf der Strecke bleiben vor allem diejenigen, die es schon vor der Krise sehr schwer hatten. Gerade Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien zählen zu dieser Gruppe. Sehr vielen war es aufgrund fehlender oder mangelhafter technischer Ausstattung nicht möglich, an den Onlineformaten adäquat teilzunehmen. Viel zu viele Jugendliche landen im sogenannten Übergangssystem, einem Maßnahmesystem, das für die Betroffenen meist nicht in Arbeit endet. Viele Betriebe haben sich während der Krise vom Ausbildungsmarkt zurückgezogen. Auf der Strecke bleiben vor allem diejenigen, die es schon vor der Krise sehr schwer hatten.

Weitere „Verlierer“-Gruppen sind geringfügig Beschäftigte, Künstler*innen und Solounternehmer*innen, da bei ihnen die Kurzarbeitergeldregelung nicht greift. Auf Einkommen aus geringfügiger Beschäftigung sind vor allem Studierende und Rentner*innen angewiesen, die dieses Einkommen dringend für ihren Lebensunterhalt benötigen. (Zur Aufstockung des Haushaltseinkommens tragen in diesem Bereich in großem Umfang Frauen bei. Hier bricht von Familien einkalkuliertes und unverzichtbares Einkommen weg.)

Aus vorgenannten Gründen sind wir um die Verlierer*innen der Krise sehr besorgt. Wir sehen eine zunehmende Spaltung in Arm und Reich, in Hochqualifizierte und prekär Beschäftigte sowie arbeitslose Menschen. Die Entstehung von Parallelgesellschaften zeichnet sich ab.

Nach der Krise wird es wichtig sein, die Unterstützungsleistungen der Lebensrealität der Menschen anzupassen und für eine gute Betreuungsinfrastruktur zu sorgen. Bei der Konzeption von Schulungs- und Weitebildungsmaßnahmen müssen die Interessen und vor allem die Fähigkeiten der Teilnehmenden berücksichtigt werden – gerade auch im Hinblick auf die beschleunigte Digitalisierung in der Arbeitswelt.

Wir fordern Bildungsgerechtigkeit und gleichwertige Zugangsvoraussetzungen für alle. Auf dem Ausbildungsmarkt müssen auch vor dem Hintergrund eines bestehenden und wachsenden Fachkräftemangels Angebote für alle Jugendlichen eröffnet werden (Ausbildungsgarantie und niedrigschwellige Ausbildungsformate für weniger leistungsfähige Jugendliche etc.), denn eine abgeschlossene Ausbildung ist die beste Prävention gegen Arbeitslosigkeit.

In unserer Anwaltsfunktion für die vielen betroffenen Menschen fordern wir von allen Entscheidungsträger*innen beherztes Handeln im Sinne der Betroffenen.

Verabschiedet von der Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeitslosenpastoral am 1. Juli 2021

Mike Gallen München                          Angelika Fuchs Salzburg                  Hans Gilg Augsburg
Kristina Hamm  Herzogenrath           Martin Jahn Aalen                              Hans-Peter Mayer Stuttgart
Michael Ohlemüller Rüsselsheim      Berthold Santjer Erkrath                  Brüno Schumacher Darmstadt
Ludwig Stauner Aschaffenburg          Andrea Steyven Trier                        Petra Zehe Bamberg