Zum Inhalt springen

Auch in Wirtschaft steht Mensch im Mittelpunkt

Wallfahrt, Arbeit ist Menschenrecht, 09.10.2021
Datum:
Veröffentlicht: 27.10.21
Von:
G.Klemenz, Obermai Tagblatt Nr. 240
Rund 70 Pilger nehmen an der 15. Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen teil.
Wallfahrt, Arbeit ist Menschenrecht, 09.10.2021

"Kein Arbeiter ohne Recht." Für diesen christlichen Leitsatz, den Papst Franziskus im April 2020 formuliert hat, lohnt es sich geistig und körperlich auf den Weg zu machen. Am Samstagfrüh fand die 15. Arbeitnehmerwallfahrt „Arbeit ist Menschenrecht“, nach Vierzehnheiligen statt.
Die gemeinsame Zeit der Wallfahrt mit Gebeten und dem anschließenden Gottesdienst ist für die Veranstalter ein Zeichen der Solidarität mit allen jenen Frauen und Männern, die um ihren Arbeitsplatz fürchten oder die auf der Suche nach Arbeit sind und die sich für eine menschenwürdige Arbeitswelt einsetzen.
Die diesjährige Wallfahrt für Arbeitende und Arbeitslose stand unter dem Leitwort: „Solidarisch die Zukunft gestalten – wider die gefährliche Gleichgültigkeit“. Eingeladen hatte die katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der KAB Diözesanverband Bamberg, die Arbeitslosenberatungsstellen der Erzdiözese und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen.

Erstmal ist das Vortragekreuz dabei

Nach der Begrüßung am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels durch Franziskanerpater Stanislaus und einem Gebet von Albert Müller, Diözesanpräses der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese Bamberg, ertönte erstmals die Mahnglocke und die Wallfahrt mit rund 70 Pilger setzte sich in Bewegung.
„Erstmals ist ein Vortragekreuz dabei, das „Christus im Zahnrad“ zeigt. Es soll uns daran erinnert, dass der Mensch im Mittelpunkt auch in unserem Wirtschaftsleben stehen sollte. Das Bild ist dem Relief in der Arbeitnehmerbildungsstätte Obertrubach nachempfunden“, erklärte Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz. Das Vortragekreuz wurde durch den Akademischen Bildhauer Heinrich Schreiber aus Kronach gestaltet. „Das Bildungshaus Obertrubach stellt zum Ende des Jahres den Betrieb ein, nachdem die wirtschaftlichen Defizite durch die Corona-Pandemie zu groß wurden. Von der Schließung sind mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen“, fügte Jungkunz an.

Digitalisierung und Klimawandel erzeugen Druck bei Menschen

Die musikalische Begleitung auf dem Weg zum Gnadenort übernahm die Jugendblaskapelle Bergesklänge aus Witzmannsberg bei Coburg. Auf dem gemeinsamen Weg hoch zur Basilika wurden an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit thematisierte und dazu erklang der Mahnglocke. „Nachhaltige Transformation in der Arbeitszeit“, so die ersten Station. Der permanente Transformationsdruck hat durch die Digitalisierung eine Geschwindigkeit erreicht, die bislang unbekannt war. Zugleich sind die Industrieunternehmen und ihre Beschäftigten mit einer anderen enormen Herausforderung konfrontiert – dem Klimawandel und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Konsequenzen. Dieser doppelter Druck durch digitale Beschleunigung und ökologisches Umdenken beinhaltet aber auch Chancen für industrielle Modernisierung und Gestaltung von wertvoller Arbeit.
„Der Wert der Arbeit“, hieß es an der nächsten Station. Wenn uns diese Pandemie etwas gelehrt hat, dann dass wir die menschliche Arbeit anders und weit höher bewerten müssen als es sich in den letzten Jahren eingebürgert hat. Die Wertschätzung für Berufszweige, die bisher eher im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung standen, ist in der Öffentlichkeit und in der Politik enorm gewachsen. Nicht das Kapital hat uns die akute Krise meistern lassen, es waren die arbeitenden Menschen mit der Selbstverständlichkeit ihres Tuns.

"Falsches Dogma es schlanken Staates"

„Die Handlungsfähigkeit des Staates stärken – für Verteilungsgerechtigkeit sorgen“, so das Thema an der dritten Station, hierzu sprachen Mitglieder der DGB Oberfranken. In der Pandemie und den Naturkatastrophen hat sich erneut gezeigt, dass die Menschen von einem handlungsfähigen und aktiven Staat profitieren. Wir können es uns nicht länger leisten, am falschen Dogma des „schlanken Staates“ festzuhalten. Es ist Zeit für die Anpassung der Lebensverhältnisse zwischen den reichen Oberbayern und dem armen Oberfranken, sowie mehr Verteilungs- und Geschlechtergerechtigkeit beim Einsatz öffentlicher Gelder.
An der letzten Station sprachen Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninititiven über „Arm und ausgeschlossen – die Ungehörten“. Eine Gruppe von Menschen war bereits vor Corona ausgeschlossen. Menschen mit Hartz IV-Bezug haben nur 5,16 Euro täglich für Nahrung und Getränke zur Verfügung. Für Kinder bis unter 13 Jahren müssen 3,98 Euro ausreichen.

Über 13 Prozent der Bevölkerung seien arm

Auch für alle anderen lebensnotwendigen Dinge ist das Budget zu knapp. Für die Bildung sind monatlich 1,61 Euro vorgesehen. Über 13 Prozent unserer Bevölkerung sind arm. Sie leben weiter in einem gesellschaftlichen Lock-out, der nicht durch die Corona-Pandemie verursacht wurde. Weite Teile von Politik und Gesellschaft nehmen die fortschreitende Spaltung unserer Gesellschaft achselzuckend in Kauf.
Nach aufmunterten Grußworten in der päpstlichen Basilika durch Franziskanerpater Stanislaus, wurde mit KAB Diözesanpräses Albert Müller eine Gottesdienst gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es im Innenhof des Hauses 2 für die Wallfahrer einen herzhaften Eintopf. Es war wieder eine beeindruckende Wallfahrt, war von einzelnenen Teilnehmern zuhören.

Wallfahrt, Arbeit ist Menschenrecht, 09.10.2021
Wallfahrt, Arbeit ist Menschenrecht, 09.10.2021
Wallfahrt, Arbeit ist Menschenrecht, 09.10.2021