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Auszeit für Arbeitssuchende

Datum:
Veröffentlicht: 1.10.15
Von:
Dorothea Weiler

Erlanger Kontaktstelle lud zu den Benediktinern in Münsterschwarzach ein

Zu einer viertägigen Auszeit für Arbeitslose in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach hatte die Kontaktstelle für Arbeitslose in Erlangen eingeladen. Sieben Personen machten sich dorthin auf den Weg, um in Gebet und Arbeit nach der Benediktinerregel mitzuleben und ausgewogen zwischen Ruhe und Beschäftigung, Alleinsein und Gemeinschaft, Schweigen und Gespräch ihren Klosteraufenthalt zu verbringen.

„Manche von uns wollten sich überhaupt nicht mehr von ihrer Arbeit lösen, weil sie so begeistert von ihren Aufgaben waren und es ihnen Freude machte, an einer Sache mitzuarbeiten, die für alle von Nutzen ist“, erzählt Roland Denner, einer der Teilnehmer. Aber auch für Rückzug und Entschleunigung sei genügend Zeit geblieben. „Eine ganz andere Art der Erholung“ sei im Kloster möglich gewesen.

Mit gärtnerischen Aufgaben wurden die Erlanger in Münsterschwarzach halbtags betraut. Dazu gehörte es, das Labyrinth des Klosters von üppigem Unkrautbewuchs zu befreien und bei der Salaternte zu helfen. Desweitern mussten im Gewächshaus Töpfe für das kommende Jahr geordnet werden. Trotz starker Hitze seien alle mit Begeisterung dabei gewesen, meint Denner rückblickend. Auch hätten die Mönche Rücksicht genommen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit jedes einzelnen. Denjenigen, für die die Beanspruchung zu hoch gewesen sei, hätten sie leichtere Aufgaben zugeteilt. Denn zwei Stunden harter Arbeit könnten bei extremer Sommerhitze bereits als sehr lange empfunden werden. „Voller Tatkraft wollte jeder von uns seinen Beitrag für etwas Gutes leisten“, erinnert sich Denner. Es sei bewusst geworden, wie wertvoll eine Arbeit sei, die man mit eigenen Händen an den Gaben der Natur verrichte. Dabei lerne man, die Nahrung viel mehr zu schätzen.

Wenn die Glocken der Klosterkirche mehrmals täglich zu Gottesdienst und Gebet läuteten, folgten die vier Frauen und drei Männer aus Erlangen dem Ruf, um in Kontemplation und Betrachtung Ausgleich zur schweren körperlichen Gartenarbeit zu finden. Denn den Benediktinern, so Denner, gehe es darum, äußere und innere Ordnung miteinander in Einklang zu bringen, was an einem klar strukturierten, in Gebets- und Arbeitszeit unterteilten Tag am besten gelingen könne. „Und diese Ordnung will Gott in den Mittelpunkt rücken“, erläutert der Arbeitsuchende. Die Gäste aus Erlangen, die im Haus Scholastika untergebracht und hervorragend verpflegt worden seien, hätten von Pater Germar Neubert geistliche Impulse, beispielsweise zum Thema „Gottesbild“ bekommen.

Gemäß der Regel des heiligen Benedikt, die angesichts der syrischen Flüchtlinge in Deutschland eine neue Aktualität gewinnt, wurden die Erlanger laut Denner in Münsterschwarzach als willkommene Mitarbeiter und Mitbeter akzeptiert: „Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus.“

Auch über das Kloster und seine Geschichte erfuhren die Arbeitslosen interessante Detetails. Seit nahezu 1200 Jahren besteht das Kloster, das eines der bedeutendsten in Deutschland ist, bereits. Von 125 der Abtei zugehörigen Mönchen sind 44 Priester und 81 Brüder. In Münsterschwarzach selbst leben nur 90 Mönche, die übrigen wirken in unterschiedlichen Missionsklöstern.