Barrierefreiheit im Betrieb umsetzen

Barrierefreiheit im Betrieb umsetzen - ein dickes Brett
Bamberg. Barrierefreiheit meint nicht nur das Absenken der Bordsteinkante für Rollstuhlfahrer. Mit Blick auf die Menschenrechte, den demografischen Wandel und die Nachhaltigkeit ist die Inklusion von Menschen mit Behinderungen jetzt und zukünftig ein wichtiges Thema in der Gesellschaft. In Deutschland sprechen wir von 10,4 Millionen amtlich anerkannten Menschen mit Beeinträchtigungen. Für Barrierefreiheit im Betrieb treten besonders die Schwerbehindertenvertrauenspersonen (SBV) ein. Ihnen sind die Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen besonders anvertraut. „Die SBV ist eine von den Betroffenen demokratisch gewählte und gesetzlich geforderte Instanz in der betrieblichen Mitbestimmung“, hebt Betriebsseelsorger Thomas Reich die Bedeutung der SBV hervor. Für die Vertrauenspersonen der Oberfränkischen Betriebe will die katholische Betriebsseelsorge Bamberg Räume für Austausch bieten und Möglichkeiten zum Netzwerken eröffnen. „Wir erleben an diesen Tagen eine starke Truppe von Frauen und Männern, die sich in ihren Betrieben besonders für den Erhalt der Arbeitsplätze von schwer erkrankten und behinderten Kolleginnen und Kollegen einsetzen“, für Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz ist das ein „besonderes Beispiel christlicher Verantwortung für den Nächsten“. Die SBV hält in den Unternehmen den Gedanken der Inklusion wach und achtet auch darauf, dass Menschen mit Beeinträchtigungen wieder in ein Arbeitsleben integriert werden. Außerdem achten sie präventiv auf den Gesundheitsschutz bei Dienstleistung oder Produktion in den Arbeitsstätten. Die besonderen Vorteile einer betrieblichen Inklusionsvereinbarung stellte am Vormittag Anna Haberkorn-Wittner von Siemens-Healthineers, Forchheim vor. Inklusionsvereinbarungen sind ein Instrument zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Schwerbehinderung am Arbeitsleben. „Klare Regelungen bei der Umsetzung des Inklusionsgedankens wirken sich positiv auf die Unternehmenskultur aus und verbessern die Beschäftigungssituation u. a. durch Chancengleichheit, Förderung und bessere Arbeitsbedingungen“, ermutigt sie die interessierten Teilnehmenden. Ein wichtiger externer Bündnispartner der SBV stellte sich am Nachmittag vor. Dr. Doris Kühne zeigte die Aufgaben und Unterstützungsmöglichkeiten des Integrationsfachdienstes (IFD) auf. Der rege Austausch verdeutlichte beiden Seiten, dass ein guter Kontakt für die Zusammenarbeit besonders den Betroffenen, aber auch den Unternehmen hilft. Seit Januar 2022 soll, so Dr. Kühne, dieses Band verstärkt werden durch die Einrichtung von sogenannten Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA). Diese Einrichtung wird besonders Unternehmen sensibilisieren und helfen bei dem Stellen vom Anträgen zu Wiedereingliederung von Menschen mit Beeinträchtigungen, denn nur 39% der Betriebe in Bayern beschäftigen so viele schwerbehinderte Menschen, dass sie keine Ausgleichsabgabe entrichten müssen. Da ist noch viel Luft nach oben und die Inklusion ein dickes Brett – an dem gerade die Vertrauenspersonen der Schwerbehinderten in den Unternehmen mitbohren. Das positive Resümee des Tages, das nicht nur die Betriebsseelsorger zogen, war die Ermutigung der Vertrauenspersonen und der gemeinsame Dienst an Menschen und Menschlichkeit im Betrieb.