Betriebsräte-Runde der Arbeitnehmer-Pastoral in der Erzdiözese Bamberg

„Appelle sind zu wenig“
Scheßlitz (aki) – Als neue Konflikt- und Mobbingberaterin der katholischen Betriebsseelsorge hat sich Susanne Schneider bei der Betriebsräte-Runde der Arbeitnehmer-Pastoral der Erzdiözese im Scheßlitzer Gasthof Krapp vorgestellt.
Zu Beginn betonte der Leiter der Betriebsseelsorge Dr. Manfred Böhm, dass die Solidarität nach der Entfremdung durch die Coronakrise wieder gestärkt werden müsse, was sich im 1. Mai-Motto diesen Jahres, „Solidarität ist Zukunft“, spiegele. Solidarität sei „mehr als ein vages Gefühl“. Sie müsse die Entschlossenheit des Einzelnen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, enthalten. Solidarität in der Arbeitswelt sei wichtig – sie müsse aber ernst gemeint sein. Da Appelle zu wenig seien, komme den Gewerkschaften eine große Rolle zu.
Entsolidarisierung
Es sei, so Böhm weiter, „eine Entsolidarisierung von oben“ zu beobachten. So würden dem deutschen Fiskus pro Jahr 60 Milliarden Euro Steuergelder entzogen. Sie fehlen, um Aufgaben für die Gemeinschaft zu bewältigen. „Wir brauchen einen neuen Geist und wirkliche Solidarität“, forderte er und unterstrich, dass Solidarität eine persönliche Einstellung sei. DGB-Regionssekretär Mathias Eckardt bedauerte, dass in der Region die Tarifbindung der Betriebe abnehme. Für die kommende Bundestagswahl seien Solidarität, soziale Sicherheit und Renten wichtige Themen.
„Beratung bei Konflikten und Mobbing“ bietet seit über einem Jahr die Mentorin und Systematischer Coach Susanne Schneider im Auftrag der Betriebsseelsorge an. Sie war zuvor zehn Jahre als selbstständige Mediatorin tätig. Wie Böhm betonte, ist ihre Arbeit für Arbeitnehmervertreter kostenlos. Die Beratungen sind vertraulich sowie unabhängig von Weltanschauung und Religion. Schneider unterliegt der Schweigepflicht. Sie habe, so betonte sie, eine offene Tür und ein Telefon für Fragen zu Mobbing und „seltsamen Situationen in den Betrieben“. Schneider plant auch Seminartage zum Thema „Konflikte und Mobbing“. In der folgenden Gesprächsrunde berichteten die 18 Räte aus zwölf Betrieben über die Lage in ihren Firmen – von Betriebsschließungen bis zur verzweifelten Suche nach neuen Mitarbeitern.
Betriebsratsvorsitzender Dieter Wockenfuß von dem Autoteile-Hersteller Grupo Antolin berichtete zum Beispiel von einem überraschenden Plan, 67 Stellen der 252 Arbeitsplätze in Bamberg zu streichen. Betroffen seien sechs schwerbehinderte Mitarbeitende. 60 Prozent seien über 50 Jahre alt. Fünf von den 67 bedrohten Arbeitsplätzen konnte der elfköpfige Betriebsrat bisher retten.
Mobbing
Die Räte seien daraufhin gemobbt worden – bis zu einem Amtsenthebungsverfahren für den stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden. Wockenfuß berichtete weiter, dass die Online-Einigungsstellen in der Corona-Zeit „der Horror“ seien. Die Folge dieses schlechten Betriebsklimas sei, dass mittlerweile auch Mitarbeitende, die nicht auf der „Abbau-Liste“ standen, gekündigt hätten.
Rat und Hilfe
Die neue Konflikt- und Mobbingberaterin der katholischen Betriebsseelsorge, Susanne Schneider, ist unter der Telefonnummer 0951/9169123 oder per E-Mail unter mobbingberatung@arbeitnehmerpastoral-bamberg.de erreichbar.