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Die Zukunft offen halten

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2020
Datum:
Veröffentlicht: 2.12.20
Von:
Peter Zillig

„Der Buß- und Bettag ist ein kirchlicher Feiertag mit einer besonderen gesellschaftspolitischen Bedeutung“. Zum inzwischen Tradition gewordenen „sozialpolitischen Buß- und Bettag“ in der Region luden die evangelische Kirchengemeinde Schney, der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der evangelischen Kirche, die Mitarbeitervertretung in der evangelischen Kirche sowie das Schneyer DGB-Ortskartell in die evangelische Kirche St. Marien in Schney ein.

Schon im 19. Jahrhundert, so die Organisatoren, hat die Obrigkeit den Buß- und Bettag eingeführt, um öffentlich über Fehlentwicklungen nachzudenken und Impulse für eine friedliche sowie gerechte Zukunft zu setzen. In dieser Tradition bildet der Buß- und Bettag einen Tag der gemeinsamen Besinnung und des Nachdenkens über eine menschenwürdige Entwicklung unseres Zusammenlebens. Im Jahr 1995 wurde der Buß- und Bettag als arbeitsfreier Tag gestrichen. Grund war die Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Mehrbelastung auf Arbeitgeberseite sollte mit Mehrarbeit ausgeglichen werden.

Das diesjährige Motto des sozialpolitischen Buß- und Bettags lautete „ZUKUNFT OFF-EN“. Pfarrerin Tanja Vincent wies auf die aktuelle schwierige, durch die Pandemie bedingte, Lage hin. Die Veranstalter haben zunächst überlegt, ob die diesjährige Andacht vor Ort stattfinden sollte. Gottesdienste sind grundsätzlich zulässig. Wichtig sei es , dass die Menschen auch zusammenkommen können. Ein sorgfältig ausgearbeitete Hygieneplan wurde entworfen, um Infektionen zu vermeiden.

Tanja Vincent und der katholische Betriebsseelsorger in der Region, Norbert Jungkunz stellten den alttestamentlichen Propheten Jona in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Dieser bekam den Auftrag, in der Stadt Ninive gegen die Missstände zu predigen und den Untergang anzukündigen. Viele der damaligen Themen sind nach wie vor aktuell und wurden mit den Fragen unserer Zeit ergänzt. Es gelte aktuell, die Gefahr zu bannen und die Zukunft offen zu halten. Norbert Jungkunz forderte ein respektvolles Miteinander und erinnerte an die Bedeutung der Pflege-, Bildungs- sowie Handelsberufe. Arbeit sei nicht nur Geldverdienen, hoben Tanja Vincent und Norbert Jungkunz hervor. Es sei falsch, digitale Arbeit nur unter rein finanziellen Aspekten, nach dem Motto wie geht es effizienter und messbarer, zu betrachten.

Gute Arbeit, hieß es weiter aus den Reihen der Mitarbeiter sowie Gemeinde, meine gerecht bezahlte Arbeit, seine Interessen folgen und seine Fähigkeiten entwickeln zu können, positive Formen von Gemeinschaft erleben, den Sinn der eigenen Arbeit zu sehen und soziale Anerkennung dafür zu erhalten.

Die digitale Transformation, die derzeit rasant die Arbeitswelt verändert, so der Tenor von den anwesenden Vertretern der kirchlichen und gewerkschaftlichen Verbände, müsse im Rahmen einer fairen Verteilung der Erfolge bleiben. Die Qualität der Arbeit dürfe nicht aus dem Blick verloren werden. Das Potential der Digitalisierung sei, dass Routineaufgaben automatisiert werden und die Beschäftigten ihre ursprünglich menschlichen Fähigkeiten vertiefen können. Leider erfahren viele Formen der Arbeit nur gelegentlich eine angemessene Wertschätzung, wenn sie dringend gebraucht werden. Die Arbeitswelt bestehe aus geteilter Arbeit. Was die einen tun, sei nur sinnvoll, weil andere ihre Fähigkeiten beisteuern. Dies erstrecke sich innerhalb eines Unternehmens von der Vorstandsetage bis hin zu den ungelernten Tätigkeiten.

Gemeinsam wurde ein von Dietrich Bonhoeffer in anderer Zeit geschriebenes Glaubensbekenntnis gebetet, das für die jetzige Situation formuliert schien.

Dekanin Stefanie Ott-Frühwald beteiligte sich mit der Beichte, in der sie Gottes Vergebung zusprach. Luther-Bonbons sollte die Situation versüßen, dass nicht wie in den Vorjahren üblich, ein gemeinsames Beisammensein im Anschluss angeboten werden konnte.