Ein gespenstischer Aufmarsch


Coburg — Mittagszeit in der Fußgängerzone: Es sind viele Menschen unterwegs. Dazwischen taucht plötzlich eine gespenstisch anmutende Gruppe mit weißen Masken und hellen Gewändern auf. Die derartVerkleideten tragen auf der Brust Schilder mit der Aufschrift: „Ein Schulkind hat für Kleidung und Schuhe 37,01 €/Monat“ oder „Wehe dem, der seinen Palast auf Ungerechtigkeit baut“. Damit haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Arbeitslosenberatungsstellen das Thema Hartz IV aufgegriffen. Seit zehn Jahren gibt es jetzt diese sogenannte Grundsicherung für Arbeitssuchende. „Die Reaktionen der Passanten waren sehr unterschiedlich“, erzählt Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz. Eine Frau habe sich eine Visitenkarte geben lassen, andere hätten nachgefragt, welche Beratung angeboten wird. Aber es habe auch die üblichen Vorurteile gegeben. „Solche Sätze wie ,Ihr habt wohl nichts zu tun?‘ oder ,Des müsst ihr bei der Merkel machen, net in Coburg‘ haben wir auch gehört.“ Das sei auch der Grund gewesen, Hartz-IV-Empfänger in die Aktion nicht mit einzubeziehen – nur einer war dabei. „Wir wollten darauf hinweisen, welche angsteinflößende Wirkung Hartz IV auf die Belegschaften in den Betrieben hat.“ Deshalb die gespenstische Aufmachung. „Auch wenn sie an vielen Stellen gelobt werden, ist eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Gesetzen nötig“, ergänzt Norbert Jungkunz. Bis 12 Uhr blieben die Akteure auf dem Marktplatz stehen. Dort sagten sie noch einmal laut all das, was sie auch auf ihren Schildern stehen haben.
