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Ein unmoralisches Angebot: diskriminierend, frauenfeindlich, familienmissachtend. H&M spaltet Belegschaften und verfestigt Benachteiligung

Datum:
Veröffentlicht: 10.2.21
Von:
Kath. Betriebsseelsorge

H&M spaltet Belegschaften und verfestigt Benachteiligung

Stellungnahme der Katholischen Betriebsseelsorge Bamberg zu Personalabbauplänen und dem sogenannten Freiwilligenprogramm der Modekette H&M

Stellungnahme der Katholischen Betriebsseelsorge Bamberg zu Personalabbau-plänen und dem sogenannten Freiwilligenprogramm der Modekette H&M

Es ist nicht neu, dass der stationäre Einzelhandel, insbesondere die Modebranche, seit Jahren einem sehr aggressiven Wettbewerbsdruck unterliegt. Um gegen die Konkurrenz aus dem Online-Handel zu bestehen, reichen Qualität, gute Beratung und ein angemessener Preis längst nicht mehr. Das geht nur noch über Einsparungen bei den Personalkosten und eine größtmögliche Erweiterung der Öffnungszeiten.

Als katholische Betriebsseelsorge verfolgen wir diesen Trend seit vielen Jahren und klagen die immer weiter zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und die immer offensichtlichere Unterdrückung von Mitbestimmung an. Minijobs, Befristung und erzwungene Teilzeit bei gleichzeitiger Forderung der Arbeitgeber nach größtmöglicher Flexibilität treffen nahezu alle der hauptsächlich weiblichen Beschäftigten.

Mit den jüngst öffentlich gewordenen und teilweise schon vollzogenen Personalabbauplänen durch ein sog. Freiwilligenprogramm bei H&M erlangt die Art und Weise unternehmerischer Maßnahmen jedoch eine neue - völlig inakzeptable - Qualität:

Erstmals werden im sog. Freiwilligenprogramm, das derzeit den Betriebsrät*innen als „Alternative“ zu betriebsbedingten Kündigungen vorgelegt wird, diskriminierende Auswahlkriterien und Personengruppen genannt: junge Mütter und Väter in Elternzeit (nicht selten auch alleinerziehend) und Langzeitkranke. Das sind genau jene Personengruppen, die H&M sowieso loswerden will, weil sie nicht so flexibel sind. Das ist unredlich und rechtswidrig!

Auch mit der Freiwilligkeit des Angebots ist es nicht weit her, denn der Abbau von Arbeitsplätzen ist durch H&M gesetzt.

Das scheinbar lukrative Programm auf Freiwilligkeit entpuppt sich als höchst unmoralisches, frauen- und familienfeindliches Angebot, das nicht zuletzt auch gesundheitlich beeinträchtigte Beschäftigte benachteiligt und diskriminiert.

Unter Druck gesetzt werden an erster Stelle die Betriebsrät*innen, deren berechtigtes Anliegen es ist, Arbeitsplätze und Stundenumfänge zu sichern und einigermaßen sozialverträgliche Lösungen bei Personalabbau zu finden. Allerdings werden bei Zustimmung zum „Freiwilligenprogramm“ alle weiteren Möglichkeiten eines Sozialplans oder eines Interessensausgleich verhindert. Das bringt die Betriebsrät*innen in eine nicht zu lösende Zwickmühle.

Als Betriebsseelsorge kritisieren wir aufs Schärfste die Vorgehensweise der Geschäftsführung. Grundlage unserer Kritik ist geltendes Recht und ein christliches Menschen- und Gesellschaftsbild.

Die Würde jedes einzelnen Menschen ist auch und im Besonderen im arbeitsweltlichen Kontext zu schützen. Niemand darf aufgrund seiner Gesundheit oder des Geschlechts benachteiligt werden. Es gehört zur sozialen Verantwortung eines Unternehmens, Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen und, alles dafür zu tun, diese Arbeitsplätze zu sichern.

Im Vorgehen von H&M sehen wir vor allem eines zunehmend bestätigt: "Die moderne Organisation der Arbeit weist oft eine gefährliche Tendenz auf, nämlich die Familie als Last für die Produktivität anzusehen und ein feindliches Klima gegenüber Kindern und alten Menschen zu schaffen.“ (Papst Franziskus, 2015).

Wir unterstützen die Forderungen der Betriebsrät*innen und Beschäftigten nach größtmöglichem Arbeitsplatzerhalt und Anerkennung der Mitbestimmungsrechte und die Anliegen ihres gewerkschaftlichen Engagements.

Wir fordern die Geschäftsleitung auf, die Mitbestimmungsrechte zu achten, einen respektvollen Umgang mit Betriebsrät*innen und Beschäftigten zu pflegen und ihre Verantwortung für Langzeitkranke und den Schutz der Familie ernst zu nehmen.

Nicht zuletzt werden wir das Unternehmen daran messen, inwieweit es Recht und Gesetz einhält und einlöst. Hennes & Mauritz nimmt für sich selbst die Kriterien der Wertschätzung, Familienfreundlichkeit und der Achtung der Grundrechte für die Zusammenarbeit im Positionspapier „The H&M Way“ in Anspruch:

„Wenn wir unsere Geschäfte dem H&M Way entsprechend führen, heißt das, dass wir dies ethisch korrekt, ehrlich und verantwortungsvoll tun. Wir bestärken unsere Lieferanten und andere Geschäftspartner ständig, dies ebenfalls zu tun. In diesem Dokument steht, was wir alle bei H&M wissen. Da wir jedoch alle Botschafter für H&M sind, möchte ich noch einmal unterstreichen, wie wichtig unsere Werte und Richtlinien sind, denn sie bilden stets den Ausgangspunkt, wie wir handeln.“ (Karl-Johan Persson, CEO H&M Hennes & Mauritz AB)

Unsere uneingeschränkte Solidarität gilt den Beschäftigten von H&M und wir unterstützen die Betriebsrät*innen in ihrem Engagement, sich unmoralischer Angebote zu widersetzen und sich für Rechte und Würde ihrer Kolleg*innen einsetzen.