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Erinnern macht Mut

Ökumenisches politisches Nachtegebet
Datum:
Veröffentlicht: 22.11.12
Von:
C. Grünberg

Ökumenisch politisches Nachtgebet

Wo immer gegen die menschliche Würde gehandelt wird, wird Gott beleidigt.“ Mit solch deutlichen Worten eröffnete der Vorsitzende der Alt-Katholischen Gemeinde Coburg, Eduard Adam, das Ökumenische Politische Nachtgebet am Vorabend des Gedenktages zur Reichspogromnacht des Jahres 1938.

Coburg - „Wo immer gegen die menschliche Würde gehandelt wird, wird Gott beleidigt.“ Mit solch deutlichen Worten eröffnete der Vorsitzende der Alt-Katholischen Gemeinde Coburg, Eduard Adam, das Ökumenische Politische Nachtgebet am Vorabend des Gedenktages zur Reichspogromnacht des Jahres 1938.

Zu diesem Nachtgebet gegen das Vergessen hatten eingeladen: der katholische Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz, sein evangelischen Kollege Frank Meixner und die Alt-Katholische Gemeinde. Die Nikolaus-Kapelle eignete sich ganz besonders für dieses Gedenken, da sie bereits den unterschiedlichsten Konfessionen als Kirche und fast 70 Jahre lang der Israelitischen Gemeinde Coburg als Synagoge gedient hatte.

Dr. Hubertus Habel machte als vorzüglicher Referent den zahlreich erschienenen BesucherInnen deutlich, wie nötig es ist, möglichst genau Bescheid zu wissen über die Ereignisse, die 1922 Coburg „zur ersten nationalsozialistischen Stadt Deutschlands“ machten. Hitlers „Zug nach Coburg“ mit zahlreichen Keilereien und heftigen Straßenschlachten vor allem in der Mohrenstraße samt der darauf folgenden Misshandlung der gefangen gesetzten Gegner des Aufmarsches dürfen bei der Bewertung des Aufmarsches der „Jungnationalen“ am 20. Oktober 2012 in Coburg nicht außer Acht gelassen werden. Sich über diese Zeit und die dadurch entstandenen Symbole zu informieren, das ist ganz wichtig. Darauf wies auch der DGB Regionsvorsitzende Mathias Eckard hin und dankte dem Referenten für seine tief greifenden Recherchen.

Nicht in Archiven verstauben und in Vergessenheit geraten dürfe das, was dadurch ans Licht gekommen ist: das brutale Geschehen an Orten, die dadurch eine negative symbolische Bedeutung erlangt haben, vor allem aber der mutige Einsatz der Protestierer, der„republikfreundlichen“ sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter, die viel dabei riskiert haben. Ihr Einsatz für eine demokratische, menschenwürdige und gerechte Gesellschaft muss heute aufgezeigt und deutlich gemacht werden. Denn die Erinnerung kann Mut machen. So fasste der katholische Betriebsseelsorger die Diskussion zusammen, die sich an das Referat von Dr. Habel anschloss.

Darüber hinaus müssen aber unbedingt die sozialen Spannungen in unserer immer ungerechter werdenden Gesellschaft angesprochen werden, um sie zu überwinden. Denn diese bieten stets aufs Neue den Nährboden für Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus.

Abschließend erinnert Norbert Jungkunz an eine wichtige Aussage des zweiten Vatikanischen Konzils im Dokument über die nichtchristlichen Religionen (Nostra Aetate 5):Dort wird betont, dass der Kirche eine besondere Verantwortung zukomme. Sie habe jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn auf Grund seiner Rasse ,Farbe, seines Standes oder seiner Religion zu verwerfen. Denn dies widerspreche dem Geist Christi.

Diesem Geist Christi entspricht die Toleranz und die Offenheit, mit welcher der Coburger Stadtrat im Jahr 1873 die Nikolaus Kapelle der Coburger Israelitischen Kulturgemeinde zur Verfügung gestellt hatte. Damit bietet sie sich an als der richtige Ort des Erinnerns und Gedenkens.