Erzbischof Ludwig Schick bei der 10. Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose in Vierzehnheiligen

Echte Zeichen der Solidarität setzen
Vierzehnheiligen (aw) – „Nichts von dieser Welt ist für uns gleichgültig“. Diese Worte von Papst Franziskus bildeten das Motto der zehnten Wallfahrt „Arbeit ist Menschenrecht“ für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen am vergangenen Samstag. Erzbischof Ludwig Schick zelebrierte das Pontifikalamt in der Basilika. Eingeladen hatten die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg im Erzbistum Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen.
Die Wallfahrt begann am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels. Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika verharrten die Gläubigen an vier Stationen. Dort wurden die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in der Arbeitslosigkeit in Gebeten und Meditationen thematisiert und eine Vision einer gerechten Welt entwickelt. Dem Motiv dieser Wallfahrtstradition entsprechend mahnt das päpstliche Rundschreiben: „Das große Ziel muss immer sein, den Menschen, besonders den Armen mittels Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen“. In einer fragwürdigen wirtschaftlichen Rationalität sei es notwendig, dass als Priorität weiterhin das Ziel verfolgt wird, allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen.
Gegen eine Globalisierung der Gleichgültigkeit gelte es echte Zeichen der Solidarität und der Verantwortung für unser gemeinsames Haus zu setzen, davon war Norbert Jungkunz, Betriebsseelsorger und Organisator der Wallfahrt, überzeugt. „In dieser Intention steht in diesem Jahr die Wallfahrt mit Arbeitnehmern, Arbeitnehmerinnen und Arbeitssuchenden. Das gemeinsame Haus ist unser Planet Erde. Viele empfinden es als schwer auf die gegenwärtige Ungerechtigkeit reagieren zu können“, sagte er.
Erzbischof Ludwig Schick warnte vor einem Verlust der Menschlichkeit in der Arbeitswelt. „Es findet eine technische Revolution statt, die den Menschen mehr und mehr überflüssig macht“, stellte er fest. Es sei sinnvoll, dass Maschinen heute den Menschen schwere Arbeiten abnehmen. „Aber wir müssen aufpassen, dass nicht Technik, Roboter und Computer dem Menschen alle Arbeit wegnehmen und ihn arbeitslos machen“.
Wenn es keine Arbeit mehr gebe, sei das Menschenrecht Arbeit verwirkt. „Arbeit macht menschlich und Arbeitslosigkeit unmenschlich“, fügte der Erzbischof hinzu. Es sei eine wichtige globalgesellschaftliche Aufgabe, Arbeit und Arbeitsplätze zu erhalten, damit sich alle Menschen auch durch Arbeit verwirklichen können. Mit Sorge blickt Erzbischof Schick auch auf den Einzelhandel, in dem immer weniger Verkäuferinnen und Verkäufer anzutreffen seien. Auch im Bankwesen und anderen Branchen sei es ähnlich.
Auch bei notwendigen und sinnvollen Veränderungsprozessen verlange der christliche Glaube zu unterscheiden, was notwendig und menschenfreundlich und was nicht notwendig und menschenverachtend ist. Zugleich trat Schick den Schwarzsehern entgegen, die von einer Entsolidarisierung in der Gesellschaft sprechen. „Gerade in der arbeitenden Bevölkerung sehe ich viel Solidarität etwa bei Betriebsräten und Gewerkschaften oder bei Regelungen für Elternzeiten und Freistellung für die Pflege von Kranken und Alten“, betonte der Erzbischof.
Auch bei der Integration von Flüchtlingen, die in die Arbeitswelt hineinfinden wollen und müssen, zeigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer viel Solidarität. Hier sei nicht nur technisches und handwerkliches Knowhow gefragt, sondern auch Mitmenschlichkeit, wie Geduld, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Nach der Feier der Eucharistie stärkten sich die Pilger im Klosterhof mit einer Gemüsesuppe, zu der Guardian Pater Heribert Arens eingeladen hatte.