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Friedensdekade - Ökumenisch Politisches Nachtgebet in Coburg

ÖPN Coburg, 11.2013
Datum:
Veröffentlicht: 9.12.13
Von:
mako

"Solidarisch?" Das Motto der Friedensdekade 2013 prägte in besonderer Weise das Ökumenische Politische Nachtgebet am Donnerstag in der St.-Nikolaus-Kapelle am Coburger Rosengarten.

COBURG - Solidarität könne man nicht einfach einseitig als Verzicht bestimmter Bevölkerungsgruppen zum Zwecke einer Umverteilung definieren. Denn gerade bei einem solchen falschen Solidaritätsverständnis blieben ja gerade benachteiligte Bevölkerungsgruppen auf der Verliererseite. Sozialpädagogin Christina Adam von der Arbeitslosenberatung der römisch-katholischen Betriebsseelsorge in Coburg nannte etwa die gängige Kindergeldpraxis. Gutverdiener mit Kindern bekämen diese Leistung zusätzlich zu ihrem mehr oder weniger üppigen Einkommen, bei Hartz-IV-Empfängern werde das Kindergeld mit dem Leistungsanspruch, zumeist Arbeitslosengeld II, verrechnet. "Das Kindergeld ist lediglich ein durchlaufender Posten", so Adam. Auch die Wohnumstände von Hartz-IV-Betroffenen nahm Adam kritisch ins Visier. So habe eine genaue Beobachtung des Coburger Wohnungsmarktes zwischen Juni 2012 und November 2013 ergeben, dass bezogen auf die von der Stadt Coburg definierten Angemessenheitsgrenzen kaum Wohnungen verfügbar seien. Den knapp 1.500 Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften in Coburg entstünden, laut Adams Rechnung, pro Monat Kosten für Unterkunft und Heizung in Höhe von fast 630.000 Euro, von diesem Betrag würden aber lediglich knapp 577.000 Euro vom Jobcenter berücksichtigt. Der Fehlbetrag bei den Unterkunftskosten liege pro Bedarfsgemeinschaft bei 35 Euro im Monat. Kritisch äußerte sich die Arbeitslosenberaterin in den Diensten des Erzbistums Bamberg auch zu den Themen "Energiearmut" und "Zwangsrenten".

"Solidarität zielt auf ein Engagement für Benachteiligte und will die Verbesserung des Gemeinsamen", sagte der römisch-katholische Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz. "Es geht nicht um persönliche Einschränkung zur Erhaltung des Status Quo, sondern um den gemeinsamen Kampf für bessere Lebensbedingungen".

In den Fürbitten des ökumenischen Gottesdienstes ging es um ein friedliches Miteinander der Völker und Religionen, die Solidarität mit den Flüchtlingen, die in Europa Schutz suchen und die gerechte Verteilung der Reichtümer dieses Planeten. Zum Gebetsgottesdienst in der St.-Nikolaus-Kapelle hatten neben der römisch-katholischen Betriebsseelsorge noch die alt-katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus in Coburg sowie die "Kirchlichen Dienste in der Arbeitswelt" (KDA), das evangelische Pendant zur Betriebsseelsorge, eingeladen. Die Friedensdekade endete am Buß- und Bettag.