Karikaturen-Ausstellung zum Thema „Arbeit ist das halbe Leben“ in Kronacher Berufsschule und Landratsamt

Ernste Arbeits-Themen – lustig „verpackt“
Kronach (es) – „Arbeit ist das halbe Leben!? Karikaturen zu Mensch, Maschinen und Moneten“ – so heißt der Titel der Ausstellung, die im Hauptgebäude des Beruflichen Schulzentrums in Kronach und im Landratsamt zu sehen ist. Sie wurde von Dr. Manfred Böhm, dem Leiter der diözesanen Arbeiterpastoral, eröffnet. Ein herrschaftliches Domizil mit Deutschland-Flagge und einem teuren Auto vor der Tür, daneben eine armselige Bretterbude mit der Aufschrift „Niedriglohnsektor“ – die Aussage der Karikatur von Luff ist eindeutig: Die Hütte der Niedriglöhner stört als „Schandfleck“, so der Titel der Zeichnung, den schönen Anblick auf das wohlhabende Gemeinwesen.
Solche Bilder voll beißender Ironie umfasst die von der Betriebsseelsorge und Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg organisierte Ausstellung „Arbeit ist das halbe Leben!? … “, die nun im Foyer im ersten Stock der Loren-Kaim-Schule zu sehen ist. Die ebenso bissigen wie nachdenklich stimmenden Karikaturen verfügen über eine spezielle Art von Humor, wobei einem bisweilen das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Die ausgestellten Zeichnungen machen deutlich, wie elementar die Arbeit für uns Menschen ist, wie erfüllend sie sich manchmal zeigt – aber auch, wie anfällig und verletzlich unser Leben durch sie werden kann. An konkreten Themen wie Niedriglohn, psychische Belastung, Mobbing sowie Rund-um-die-Uhr-Beanspruchung und ähnliches scheint immer wieder durch: In der Arbeitswelt hat der Mensch das Maß aller Dinge zu sein.
„Arbeit ist ein großer Faktor im Leben eines Menschen. Wir arrangieren darum unser privates Leben – beispielsweise unseren Wohnort, Arzttermine oder unsere Urlaubsplanung“, zeigte sich der Leiter der katholischen Betriebsseelsorge, Dr. Manfred Böhm, bei der Ausstellungseröffnung sicher. Anwesend waren dabei der Leiter Rudolf Schirmer sowie weitere Lehrkräfte der Berufsschule, die Klasse EBT 12 a als auch der Direktor der Siegmund-Loewe-Realschule Uwe Schönfeld. Die Ausstellung mit 60 Karikaturen über die Schattenseiten der Arbeitswelt war 2018 anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamberg entstanden. Die Resonanz war überwältigend; gingen doch 1899 Karikaturen aus der ganzen Welt – beispielsweise aus China, Australien oder Saudi-Arabien – ein, von denen eine Jury die jetzt gezeigten 60 Exponate auswählte.
Übernehme jede Arbeit
Eine weitere Lieblingskarikatur von Böhm ist neben dem „Schandfleck“ die Darstellung von Gerhard Mester, wie drei Mitarbeiter sich gegenseitig misstrauisch beäugen und beobachten: „Aktennotiz, 24.5., 9.48 Uhr: Müller/Meier/Schulze beobachtet ständig seine Kollegen und macht heimliche Notizen, statt sich um seine Arbeit zu kümmern.“ – „Bei einem solchen Betriebsklima ist es mit der Leistungsfähigkeit nicht weit her, wenn so viel Energie für solche Dinge verschwendet wird“, zeigte sich der Betriebsseelsorger sicher, für den ein gutes Betriebsklima, eine feste Anstellung und ein tariflicher Lohn Eckpfeiler einer guten Arbeit sind. Hier kommt seine dritte Lieblingskarikaturins Spiel über die Digitalisierung in der Arbeitswelt. Markus Grolik zeigt einen menschenähnlichen Roboter mit dem Schild um den Hals: „Übernehme jede Arbeit – Auch Deine.“ Ob Arbeit das halbe Leben ist, müsse, so erklärte Böhm, jeder für sich selbst beantworten. Zweifellos sei diese oftmals mit Mühe, Schweiß und Anstrengung verbunden und werde teilweise als nervtötend empfunden. Fakt sei aber auch, dass der Mensch geradezu prädestiniert für Arbeit und auch auf sie angewiesen sei, um damit mit der Welt in Kontakt zu treten. Auch in der Bibel werde von einem arbeitenden Gott berichtet: „Sechs Tage arbeiten und am siebten Tage ruhen.“
Die Karikaturen transportierten die Thematik zwar in humorvoller Art und Weise, seien aber keinesfalls Comedy, sondern gingen weit über das Oberflächliche hinaus. Mit wohl keinem anderen Medium gelinge es, auf derart plakative Weise den Betrachter zu erreichen, zum Nachdenken anzuregen und auch Stellung zu beziehen.
Der gleichen Meinung ist auch Berufsschulleiter Rudolf Schirmer, nach dessen Meinung die Ausstellung gerade in eine Berufsschule sehr gut passe. Seine Lieblingskarikatur ist das „Rechen“- Zentrum– wobei der Name durchaus wörtlich zu verstehen ist. Die Initiative war vom Lehrer für katholische Religionslehre an der Berufsschule, Dr. Ralph Fischer, ausgegangen. Dieser hatte die rund vier Wochen an der Schule verbleibende Ausstellung vermittelt, deren Inhalt er auch im Unterricht thematisch behandeln wird – so auch mit den angehenden Elektronikern und Elektronikerinnen für Betriebstechnik, die sich bei der Ausstellungseröffnung sehr angetan von der bunten Mischung aus klassischer Karikatur, Zeichnungen, Cartoons und Comics zeigten. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas sind auch Bilder dabei, über die man ganz einfach lächeln muss – beispielweise, wenn Petrus die Liste eines um Einlass bittenden Mannes überprüft: „Probeweise Praktika, befristete Jobs, vorübergehend verheiratet“. Sein Resümee: „Okay, du kannst rein! Vorläufig.“
Eine weitere identische Präsentation der Ausstellung ist in der Galerie im Landratsamt bis zum 11. April zu sehen.