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Menschlichkeit muss Fahrt aufnehmen

FF-Frühschoppen 01.2019
Datum:
Veröffentlicht: 11.2.19
Von:
Obermain-Tagblatt - Andreas Welz

Auf dem Asphalt wartet auf die Trucker ein oft umbarmherziger Job - Zu Besuch beim Fernfahrer-Stammtisch

Der Fernfahrer-Stammtisch im Gasthaus „Wallachei“ hatte es am Sonntagmorgen in sich. Wichtige Themen diskutierten die 60 Trucker und forderten den gleichen Ausbildungsstatus der Kollegen in Rumänien, Polen oder der Ukraine. Mehr Kontrollen seien wichtig, damit EU-Recht überall durchgesetzt werde. „Wir wissen nicht wie sie ausgebildet werden“, so Norbert Jungkunz von der Bamberger Betriebsseelsorge. Dennoch wünschte er sich das Zusammenrücken mit den Kollegen aus dem Osten. Eingeladen waren der Regionalbeauftragte von GUV/Fakulta, eine Unterstützungsgesellschaft der Gewerkschaften, Matthias Knüttel, die Verkehrspolizei Coburg, das Gewerbeaufsichtsamt Coburg und Harald Kober, Bezirksvorsitzender von Verdi-West. Stefan Heinrichs, der das fünfköpfige Team der Lastkraftwagen-Kontrolle leitet, sprach das nicht immer beste Verhältnis von Polizei und Fernfahrern an. Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten seien gleichbleibend schlecht. Man stelle fest, dass die Fahrer unter Zeitdruck und Stress stehen. „Man muss miteinander reden“, schlug Heinrichs vor. „Wir wollen euch nicht vernichten, sondern euch vor den Arbeitgebern schützen“, sagte er.

Zunahme an Alkoholfahrten
Bedenklich sei die Zunahme an Alkoholfahrten der Brummi-Fahrer. Beim Vorschlag vor Antritt der Fahrt am Sonntagabend Kontrollen vorzunehmen, wie in Baden-Württemberg, winkte Heinrichs ab. In Bayern gebe es, seines Wissens, die Präventivkontrolle nicht. Nach erfolgreichen Tarifverhandlungen bekommen die 80 000 Beschäftigten der bayerischen Transport- und Logistikbranche ab 1. Januar
2,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt, stellte Harald Kober fest. Ein Jahr später sei eine weitere Erhöhung um 2,4 Prozent beschlossen. „Nach 15 Monaten Laufzeit haben die Beschäftigten dann 5,2 Prozent mehr Lohn in ihrer Lohntüte“, so der Gewerkschaftssekretär von Verdi. Dies sei einer der besten Tarifabschlüsse in diesem Jahr. Derzeit verdiene ein ausgebildeter Berufskraftfahrer 1920 Euro brutto im Monat. Kober sprach über das Thema Sonderzahlungen in Form von Spesen. Diese würden zwar steuerlich begünstigt, aber nicht bei den Renten und Sozialleistungen berücksichtigt. Stattdessen solle der Arbeitgeber das Grundgehalt der Fahrer erhöhen. Von der Gewerbeaufsicht Coburg warnte Yvonne Langguth vor Arbeitszeitüberschreitungen. Zwar seien die Lenk- und Ruhezeiten gesetzlich geregelt, aber was vor, während und nach der Lenkungszeit ablaufe, dass sei unbekannt. Sie erinnerte an Ladungssicherung, Abladen der Ladung, Abfahrtkontrolle oder Arbeiten im Depot. Einige Fernfahrer lachten über einen Zehn-Stunden-Tag. „Wir sind bis zu 15 Stunden unterwegs“, sagten sie. Norbert Jungkunz merkte an, dass die Regelung zur Arbeitszeit und die Lenk- und Ruhezeiten unabhängig voneinander seien.

Viel liegt im Argen
Jungkunz fasste die Forderungen der Lasterfahrer zusammen: „Schaffen Sie menschenwürdige Rahmenbedingungen für den Arbeitsplatz Straße“. Man müsse weiterhin für ausreichende bedarfsgerechte Parkplätze sorgen, Sanitäreinrichtungen und Lärmschutz an Rastplätzen schaffen und Leitsysteme für Rastplatzsuchende ausbauen. Ein Wunsch der Fahrer sei, an den Logistikknotenpunkten Gesundheitszentren zu errichten. Die Initiative „Doc-Stop“ müsse flächendeckend ausgebaut werden. Die gesundheitsschützende Ausstattung der Kabinen mit Fahrassistenten, Lärmdämmung, Klimatisierung während der Fahrt sollte rechtlich vorgegeben werden. Nicht zuletzt sollten Tank- und Raststättenbetreiber rechtlich verpflichtet werden, ihre Angebote zu vernünftigen Preisen anzubieten. Matthias Knüttel, von der GUV Fakulta stellte sein Unternehmen vor. Die Gewerkschaftliche Unterstützungseinrichtung der DGB-Gewerkschaften sei eine Selbsthilfeeinrichtung derjenigen Gewerkschaften, die sich im Deutschen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen haben. Sie schützte die Mitglieder gegen die Haftungsrisiken bei beruflicher Tätigkeit. Knüttel erläuterte die verschiedenen Schadensregulierungen bei Unfällen. Eine private Haftplicht greife nicht. Bei Arbeitsunfällen sei die Berufsgenossenschaft zuständig. Bei leichter, mittlerer und grober Fahrlässigkeit liege immer die Beweispflicht beim Arbeitgeber. Bei Unfallschadensmeldungen brauche man sich selbst nicht zu belasten. Bei Unfällen mit eigenen Verletzungen sei es ratsam, sich vom Arzt gründlich untersuchen zu lassen, damit Folgeschäden mit Schmerzensgeld abgegolten werden können. Punktesünder könnten bei einem Punkteabbauseminar, das zwischen 500 und 1000 Euro koste, immer nur einen Punkt abbauen.

Truckerfestival im September
Norbert Jungkunz gab bekannt, dass das 10. Truckerfestival vom 6. bis 8. September in Lichtenfels stattfinde. Die Fernfahrervereinigung „Frankenstrolche“ werden am 22. Juni wieder eine Veranstaltung für die Kinder von Tschernobyl am Vereinsheim in Mitwitz durchführen. Abfahrt zu einer Landpartie ist um 11 Uhr am Großparkplatz am Wasserschloss.