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Neue Leiterin der Ökumenischen Arbeitsloseninitiative Scheinfeld

Die Insel, Scheinfeld - Bewerbungsbüro
Datum:
Veröffentlicht: 1.2.21
Von:
Brigitte Pich, Heinrichsblatt Nr. 5

Zuhören, Mut machen, unterstützen

Helfen, Bewerbungen zu schreiben, Anträge zu stellen, Widerspruch einzulegen, Stellungnahmen zu schreiben, eine Überprüfung zu beantragen – die Aufgaben sind breit gefächert. Das Wichtigste aber ist die Zeit. Die Seelsorge. Das Zuhören. Eine Aufgabe, die Paula Meyer gerne übernimmt. Seit Oktober 2020 steht sie als Leiterin der Ökumenischen Arbeitsloseninitiative die Insel in Scheinfeld arbeitslosen Menschen mit Rat und Tat zur Seite.

„Ich bin sehr froh, dass mich meine Vorgängerin Ursula Pfäfflin Nefian zwei Wochen lang eingearbeitet hat“, sagt die Sozialarbeiterin. Und das ehrenamtlich. Die Insel habe ihr am Herzen gelegen. Ursula Pfäfflin Nefian hat die Stelle aufgebaut und 34 Jahre lang geleitet, bevor sie die Arbeit nun in die Hände ihrer Nachfolgerin gelegt hat.

Herzlichkeit

„Paula Meyer ist hier die Richtige“, zeigt sich Mitarbeiterin Karolin Hausner überzeugt. Sie bringe viel Schwung und Herzlichkeit mit. Dennoch ist Paula Meyer eigentlich ganz froh, dass Corona die Arbeit in der Insel etwas entschleunigt hat. So bleibe mehr Zeit, sich in die vielen  unterschiedlichen und teils komplexen Themenbereiche intensiver einzuarbeiten. Allerdings gebe es coronabedingt auch immer wieder neue Regelungen. Da gelte es auf dem Laufenden zu bleiben.

Paula Meyer könne sich jederzeit mit Kollegen austauschen, wenn sie Fragen habe und sie wisse sich gut unterstützt von ihrem Chef, Dr. Manfred Böhm, dem Leiter der Katholischen Betriebsseelsorge der Erzdiözese Bamberg. Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Bayern trägt die Betriebsseelsorge die Arbeitsloseninitiative in Scheinfeld.

Die Seelsorge sei bei all den Fragen, mit denen die Menschen in die Insel kommen, sehr wichtig. Den Menschen Zeit geben, ihre Sorgen anhören, ihnen das Gefühl geben, ernstgenommen zu sein. Sie wieder aufzurichten, ihnen neuen Mut zu geben, ihnen zu zeigen: Du kannst etwas. Du bist wertvoll. „Das ist ganz wichtig“.
Die Menschen erzählten erst einmal – oft eine halbe Stunde. Gerade jetzt, da noch weniger Kontakte bestehen, habe das Vorrang.

Nicht selten würden die Arbeitssuchenden Druck von allen Seiten erfahren, berichten Paula Meyer und Karolin Hausner. In der Insel müssten sie nicht so und so viele Bewerbung schreiben. Hier könnten sie ihr Tempo finden. Und vor allem ihre Stärken. „Unser Ziel ist ja die Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Paula Meyer. „Wir nehmen den Arbeitssuchenden nicht die Arbeit ab, sondern unterstützen nur soweit es notwendig ist.“

Gelegenheit, selbständig an Bewerbungen zu arbeiten, bietet das Bewerbungsbüro in der Insel. Hier könnten Betroffene kostenlos telefonieren oder Computer und Drucker nutzen – auch um Stellen zu suchen. Selbst das Telefonieren könne zum finanziellen Problem werden. Nicht jeder könne sich einen Computer und ein entsprechendes Datenvolumen leisten. Da könnten schon teure FFP2-Masken zum Problem werden.

„Wir geben hier praktische Hilfe“, erklärt Paula Meyer. Etwa bei Formulierungen. „Wir schauen, ob die Bewerbung zur Person und zur Stelle passt“. Irgendwelche Textbausteine einfach zu übernehmen, helfe nicht wirklich weiter. In der Insel sei genug Zeit zum ausprobieren. Da  heißt es nicht: „muss, muss, muss“, wie Karolin Hausner betont.

Da coronabedingt keine Veranstaltungen stattfinden, bleibe mehr Zeit für Beratungsgespräche oder Recherchen. Hätten zuvor die Gespräche überwiegend am Vormittag stattgefunden, seien sie nun über den Tag verteilt. So begegnen sich weniger Menschen und Abstände können besser eingehalten werden. Für einzelne Gespräche gebe es mehr Freiraum.

„Die Themen sind ja sehr weitreichend“, erklärt die Beraterin. Da kämen immer wieder Bereiche zur Sprache, die eigentlich nicht in die Arbeitslosenberatung gehörten, von Schulden über Rentenansprüche und Erziehungsgeld bis hin zum Unterhaltsvorschuss.

Wie all die anderen Veranstaltungen mussten auch Sommerfest und Weihnachtsfeier ausfallen. „Das war sehr schade“, bedauert Paula Meyer. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, viele ihrer Kunden besser kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Überhaupt sei es bedauerlich, dass die Bildungs- und Freizeitangebote der Insel alle ausfallen. Sie seien eine wichtige, unterstützende Ergänzung. Vorträge zum Beispiel zu rechtlichen Themen, die für Arbeitslose relevant sind, über „gesunde Ernährung mit wenig Geld“ oder „Leben ohne Plastik“.

Ein wichtiges Angebot, das die katholische Betriebsseelsorge im Erzbistum zusammen mit den Beratungsstellen für Arbeitslose in Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen, Kulmbach, Nürnberg und Scheinfeld ermöglicht ist der Kurs für Arbeitslose in der Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte Obertrubach.

Die Insel, Ökumenische Arbeitsloseninitiative Scheinfeld, Telefon: 09162/7577

Das mehrtägige, kostenlose Angebot will vor allem Langzeitarbeitslosen wieder Mut machen und ihnen helfen herauszufinden, was in ihnen steckt. Das gelingt in Gemeinschaft zusammen mit anderen, denen es ähnlich geht, oft besser. Brigitte Pich