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Niedriglohn führt in die Sackgasse

Wallfahrt Arbeit ist Menschenrecht 06.10.2018
Datum:
Veröffentlicht: 9.10.18
Von:
Andreas Welz, Obermain-Tagblatt

Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen

„Arbeit ist Menschenrecht“ dieses Leitmotiv stand wieder im Mittelpunkt der 12. Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen am vergangenen Samstag. Eingeladen hatte die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen.
Die Wallfahrt begann am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels. Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika wurden an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit durch Betroffene in Gebeten und Meditationen thematisiert und eine Vision einer gerechten Welt entwickelt. Bei jedem Halt wurde die Mahnglocke angeschlagen, die auch zu Beginn des Gottesdienstes in der Basilika erklang.

Wenn die Altersarmut droht

An der ersten Station machten Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz und DGB Kreisvorsitzender Heinz Gärtner deutlich, dass Niedriglohn in die Sackgasse führe. 4900 Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Lichtenfels drohe Altersarmut. Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninitiative unterstrichen an der zweiten Station die Würde des Menschen. Sie werde verletzt, wenn sie nur daran gemessen werde, wieviel Einkommen und Vermögen man habe und wenn man durch Androhung von Sanktionen dazu gezwungen werde, für Hungerlöhne zu arbeiten.

Die Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) stellten an der dritte Station fest, dass soziale Sicherungssysteme schrumpfen und die gesellschaftliche Polarisierung zunehme. Ihre Forderung: Soziale Sicherung sei wichtig für unsere soziale Gerechtigkeit. Es gehe inzwischen um die Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik, sowie um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Digitalisierung der industriellen Produktion sowie im Dienstleistungssektor habe weitreichende Folgen auch für die bestehenden Strukturen und Institutionen der Sozialpolitik.

Ein steter Wandel
Der Betriebsseelsorger beleuchtete mit Betriebsräten an der vierten Station die Arbeitsbedingungen der Zukunft, wenn die Digitalisierung fortschreite. Die Arbeitsbedingungen unterlägen einem ständigen Wandel. Verunsicherung oder sogar Angst seien oft Begleiterscheinungen die solch ein Wandel auslöse. Die Grundfragelaute: „Wo bleibt der Mensch in diesem Prozess?“ Der Schutz der arbeitenden Menschen vor dauerhafter Überbeanspruchung dürfe den Renditeerwartungen der Chefetagen nicht zum Opfer fallen. Das Gefühl der Solidarität stand im anschließenden Gottesdienst im Mittelpunkt. Ein Zeichen setzte Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Dr. Peter Wünsche. Mit scharfen Worten kritisierte er den Missbrauch der Macht und wählte den ungewöhnlich heftigen Jesus-Sirach-Text aus dem Alten Testament: „Kärgliches Brot ist das Leben der Armen, wer es ihnen raubt, ist ein Blutsauger, den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt wegnimmt und Blut vergießt, wer einem Lohnarbeiter den Lohn raubt“. Wer dem Arbeiter um seinen Lohn betrüge, wer auf Kosten der Schwächeren lebe, der sei im Unrecht. „Lohn vorenthalten ist Blutvergießen und Mord“, unterstrich der Seelsorger. Für die, die am unteren Rand des Existenzminimums leben, sei Geld kein Spiel, sondern eine Frage von Tod und Leben. Mindestlohn reiche nicht und garantiere keine Menschenürde.

„Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält“, dieser Satz nage auch an unseren Konsumgewohnheiten. Wenn eine Jeans zehn Euro koste, wieviel Cent bekomme dann die Näherin?, fragte er. Nachdenken und besser machen sei erwünscht, so Dr. Wünsche und forderte fairen Handel, faire Preise und faire Vergütung. Wer sich für den gerechten Anteil aller am Brot einsetze, der sei wie einer, der Blut zur Lebensrettung spende. Dem Nächsten schenkt Leben, wer ihm ehrlich gibt, was ihm für seine Arbeit zusteht. „Leben schafft, wer sich für Gerechtigkeit einsetzt, überall auf der Welt“, stellte der Domkapitular fest.

Wallfahrt 'Arbeit ist Menschenrecht', 06.10.2018
Wallfahrt 'Arbeit ist Menschenrecht', 06.10.2018
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