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Psychische Belastungen der „Brummifahrer“ nicht unterschätzen

Fernfahrer Frühschoppen
Datum:
Veröffentlicht: 9.2.12
Von:
entschaej

Gründervater der Fernfahrer Frühschoppen: Herbert Viessmann in Coburg verabschiedet

Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Verkehrssicherheit für die Fahrer waren für Herbert Viessmann aus Marktgraitz die größte Motivation für die vielen Jahre als Betriebsrat und sein Engagement für den Fernfahrer Frühschoppen in der Region Coburg, Kronach, Lichtenfels.

Der Ver.di Fachbereichsekretär Manfred Weidenfelder und der katholische Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz sagten Dank für dieses unverzichtbare ehrenamtliche Engagement. „Kämpferische“ Betriebsräte sind unverzichtbar für die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten im Betrieb und auf der Straße. H. Viessmann hat für die Verbindung der Fahrer untereinander und zwischen der Gewerkschaft und der Betriebsseelorge gearbeitet. Die Fernfahrer Frühschoppen sind eine Frucht dieser Arbeit, die hoffentlich von vielen genützt wird, wünscht sich H. Viessmann.

Ganz in seinem Sinn war das Thema des Frühschoppens im Pfarr- und Dekanatszentrum St. Augustin in Coburg. Gerhard Trinkwalter von der Gewerbeaufsicht der Regierung von Oberfranken referierte über die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz der Fahrer. Sie gehören zu den besonders gefährdeten Berufsgruppen. Der fortwährende Zeitdruck, gedrängte Touren, gestresste Disponenten, unzureichende Ruhe- und Schlafmöglichkeiten führen zu einer Dauerbelastung. Mangelnde Bewegung und unregelmäßige Ernährung verstärken die Belastung. Konflikte an der Rampe, der Mangel an Respekt vor den Fahrern, die Zunahme des Straßenverkehrs und oft auch die schlechte Bezahlung sind zusätzliche Stressoren, die zur psychischen Belastung und Erkrankung führen können. G. Trinkwalter weist daraufhin, dass die Unternehmer aufgrund des Arbeitsschutzgesetzes und der Arbeitsstättenverordnung verpflichtet sind, die Gefährdungen am Arbeitsplatz der Fahrer zu ermitteln. Dies geschehe leider noch in viel zu geringem Maß. Gerade bei der Schnittstelle zwischen Mensch und Arbeit müsse bei der Gefährdungsbeurteilung auch die Gefährdungen, die durch die psychischen Belastungen auf die Fahrer wirken, berücksichtigt werden. Trinkwalter legt den Fahrern nahe auf die eigene Gesundheit zu achten, sich so häufig wie möglich zu bewegen, damit sich der Stress abbauen kann. Schließlich sollen auch die Ruhezeiten zur Ruhe genützt werden und nicht für fahrvorbereitende Tätigkeiten. Man kann sich den Druck auch von der Seele reden, nimmt Manfred Weidenfelder von Ver.di den Faden auf. Gemeinsam gegen die Belastungen anzugehen und für gute Arbeit zu sorgen, darin sieht er die Aufgabe der Gewerkschaft. Allerdings ist es schwer die Fahrer zu solidarisieren. Der Fernfahrer Frühschoppen bietet beides. Aktuelle Sorgen können besprochen werden, persönliche Fragen werden von den Fachleuten beantwortet und so ein Beitrag für eine größere Menschenfreundlichkeit auf der Straße geleistet. Deshalb ist auch die Verkehrspolizei Coburg ein wichtiger Gesprächspartner der Fahrer. Sie weisen auf die hohe Belastung durch die winterlichen Wetterverhältnisse hin und zeigen den Fahrern die Gefahren auf, die durch Eis und Schnee auf den Dächern der Auflieger den anderen Verkehrsteilnehmern drohen. Der Schlafexperte von der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe in Coburg Ernst Franke, erklärt den Fahrern die Bedeutung eines gesunden Schlafes. Die Beachtung der Schlafphasen führt zu einem erholsamen Schlaf und zu einem ausgeruhten Fahren. So können die Fahrer dem „tödlichen“ Sekundenschlaf vorbeugen. Rund 800 000 sozialversicherungspflichtige LKW Fahrer sind in Deutschland und darüber hinaus unterwegs. Sie sorgen dafür, dass die Warenströme nicht zum Stillstand kommen. „Die Fernfahrer Frühschoppen machen bewusst, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf der Straße menschenwürdig gestaltet werden müssen“, resümiert Betriebsselsorger Norbert Jungkunz, „mangelnde Gesundheitsversorgung, unzulängliche Lebensmittelversorgung, der Mangel an Park und Ruheplätzen sind wichtige Herausforderungen, die alle angehen, denn hinter jedem Lenkrad sitzt ein Mensch!“.

Der nächste Fernfahrer Frühschoppen findet am 22. April 2012 um 9.30 Uhr in der Kellerwirtschaft in Michelau statt.