Seit 25 Jahren Seelsorge für Gerechtigkeit

Arbeitslosenberatungsstelle hat Jubiläum gefeiert
Mit viel Fleiß undAnstrengung haben sie die Arbeitslosenberatung Herzogenaurach zum Markenzeichen der Region gemacht“, gratulierte der Leiter der Arbeitnehmerpastoral Bamberg,Manfred Böhm, den Mitarbeitern der Arbeitslosenberatung Herzogenaurach zum 25-jährigen Bestehen ihrer Einrichtung.Mit einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Magdalena und einem anschließenden Empfang im Pfarrzentrum wurde der Anlass gewürdigt.
Dabei wurde von vielen verschiedenen Seiten immer wieder als wünschenswert herausgestellt, dass die Beratungsstelle eigentlich überflüssig wäre – wenn es das Problem der Arbeitslosigkeit erst gar nicht mehr gäbe.
Seitens der Politik zeigten Bundestagsabgeordneter Stefan Müller, die Landtagsabgeordneten Christa Matschl und Jörg Rohde sowie Landrat Eberhard Irlinger, Oberbürgermeister German Hacker, Wolfgang Nicklas (DGB Erlangen) und Thomas Mölkner (DGB Herzogenaurach) durch ihre Anwesenheit ihre Solidarität mit der Arbeitslosenberatung. Bernd Schnackig, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmerbewegung begrüßte auch Helmut Popp.
Initiative kam aus der Pfarrei
Der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderat-Sachausschusses Beruf und Arbeitswelt, hatte sich vor 25 Jahren für die Gründung der Arbeitslosenberatung eingesetzt, als die Sportschuhindustrie, aber auch andere wichtige Firmen in Herzogenaurach in der Krise steckten. Auch Norbert Starost, damals Mitarbeiter der Betriebsseelsorge Bamberg sowie Doris Welker, die erste Mitarbeiterin der Beratungsstelle, zählten zu den Gästen.
Die Anlaufstelle für Arbeitslose in Herzogenaurach, sei ebenso wie die weiteren vier Beratungsstellen in der Erzdiözese Bamberg ein Beispiel dafür, dass die Kirche für die Armen und Bedürftigen dieser Gesellschaft nicht nur ein gutes Wort, sondern auch ein konkretes Hilfsangebot bereit halte, sagte Manfred Böhm.
Ernstfall der Seelsorge
Arbeitslosigkeit sei der „Ernstfall der Seelsorge“, wie Kardinal Walter Kasper einmal geäußert habe. Die kirchliche Arbeitslosenberatung sei daher ein Zeugnis, dass die Kirche ihrenAuftrag ernst nehme und ein lebendiges Zeichen der Solidarität mit den Schwachen setze. „Gerade als Christen haben wir die Pflicht, unsere Stimme zu erheben und die Gesellschaft mitzugestalten“, sagte Böhm. Dazu gehöre es auch, so der Seelsorger, sich mit denjenigen Menschen zu solidarisieren, die zu kurz gekommen, ausgegrenzt oder arbeitslos seien.
Pfarrer Helmut Hetzel war bereits in seiner Predigt beim Gottesdienst auf die Thematik eingegangen. Mit seiner Option für die Armen, so Hetzel, sei Christus den Weg der Gerechtigkeit voran gegangen. In Deutschland gebe es derzeit immer noch „weit über drei Millionen Arbeitslose zuviel“. Die Christen müssten auf die Menschenrechte hinweise, die auch das Recht auf Arbeit und freien Berufswunsch beinhalteten. In Deutschland, das hoch verschuldet, aber dennoch ein Wohlstandsland sei, bleibe über drei Millionen Menschen dieses Menschenrecht verwehrt. In einer sozialen Marktwirtschaft müsse ein demokratisch verfasster Staat einen Rahmen vorgeben, in dem sichMenschen frei entwickeln könnten und nicht ausgegrenzt und in menschenunwürdige Lebensumstände gebracht würden.
Was ist Gerechtigkeit?
Gerechtigkeit, sagte Hetzel, bedeute, alle Menschen am Gewinn der Gesellschaft zu beteiligen und allen Zugang zumWohlstand sowie die Chance zu Arbeit und damit Selbstverwirklichung zu ermöglichen. „Für Gerechtigkeit eintreten ist wirkliche Nächstenliebe, da können wir beweisen, was wirklich Liebe heißt“, sagte Hetzel. Seit über hundert Jahre widme die Theologie der christlichen Soziallehre ein eigenes Fach. Bereits in der Zeit der ausgehenden industriellen Revolution habe Papst Leo XIII. im Jahr 1891 die erste Sozialenzyklika unter demTitel „rerum novarum“ verfasst, die bis heute nichts an Aktualität eingebüßt habe. Darin prangere Leo die ausbeuterische Verhaltensweise der Arbeitgeber an und betone die Würde des Arbeiters, sein Recht auf einen gerechten Lohn und einen freien Sonntag.
Papst Johannes Paul II. habe hundert Jahre später in einer neuen Enzyklika das Thema wieder aufgegriffen und dabei die Verantwortung der Christen, für Gerechtigkeit einzutreten, als wichtig erachtet. Er habe den Kommunismus, aber auch den extremen Kapitalismus als gleichermaßen menschenverachtend bezeichnet.
Kontakt
Die Arbeitslosenberatung ist erreichbar unter Tel.: 0 91 32 / 79 67 19 oder 0 91 32 / 8 36 92 59, E-Mail: aloberatung.herzoonline.de; Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr, nachmittags nach Vereinbarung; Informationen im Internet unter: www.arbeitnehmerpastoralbamberg.de
(Quelle: Heinrichsblatt vom 16. Mai 2010, Nr. 20)