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Sicherer Lohn, genügend Rente

1. Mai 2017 Coburg
Datum:
Veröffentlicht: 11.5.17
Von:
em

MAIKUNDGEBUNG Der Mindestlohn sei besser als nichts, sagt IG-Metall-Sekretär Matthias Kirchner. Aber viele, die nur einen Niedriglohn erhalten, müssen aufstocken – und das prangerte in Coburg die Arbeitnehmerpastoral an.

Coburg — „Wir sind viele. Wir sind eins“, lautete das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum diesjährigen Tag der Arbeit am 1.Mai. DieKundgebung fand am Montagvormittag im „Prinzengarten“ am Theaterplatz statt.

Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hob in seiner kurzen Rede die Notwendigkeit der Arbeit hervor. „Arbeit schafft Sinn. Wir brauchen sie um glücklich zu sein. Keine Arbeit belastet die Psyche.“ Auch Norbert Jungkunz von der Katholischen Betriebsseelsorge wies darauf hin, dass sich derArbeitsmarkt in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe. „Es ist ein Fürsorgearbeitnehmer entstanden, trotz Arbeit ist dieser auf Fürsorgeaufwendungen angewiesen. Aus der Gesellschaft des Aufstiegs ist die Gesellschaft des Abstiegs geworden.“ Die sogenannte Grundsicherung durch Hartz IV sei zu einer Grundverunsicherung geworden. „Von einer Grundsicherung, die eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht, sind wir weit entfernt“, betonte Jungkunz und forderte mehr Gerechtigkeit, da diese die Würde des Menschen erhalte und ausdrücke.

Demokratie stärken

Hauptredner am Montagvormittag war Matthias Kirchner, als Gewerkschaftssekretär tätig beim Vorstand der IG Metall.  Anhand des Beispiels Großbritanniens, wo nach Kirchner viele junge Wähler bei der Abstimmung über den Brexit nicht zur Wahl gegangen seien und sich jetzt fragten, wie es in England weitergehen solle, rief er die Gäste der Kundgebung auf: „Geht wählen. Wählt nicht die Vergangenheit. Wählt nicht Abgrenzung … wählt nicht Ausgrenzung … wählt nicht Hass!“ Der Gewerkschaftssekretär forderte mehr und bessere Bildung, da Bildung zugleich auch die Verteidigung der Demokratie bedeute. Kirchner wandte sich gegen jede Form des Rassismus. Mit markigen Sprüchen wandte er sich an Gewerkschafsmitglieder, die die AfD wählen. „Ihr seid wie Leute, die aus der Kloschüssel das Wasser saufen, weil ihnen das Bier nicht schmeckt!“

Lobend hob er die Betriebsräte hervor, die den Kopf nicht einzögen, wenn zum Beispiel in der Coburger Firma Waldrich viele Arbeitnehmer entlassen würden, sondern die sich für die Arbeitnehmer einsetzten und nach Erleichterungen und gangbaren Wegen suchten. Auch die Themen Mindestlohn und Tarifrunde blieben nicht ausgespart.

Vom Lohn leben können

„Viel zu viele haben ein Einkommen, mit dem sie nicht auskommen: Armut trotz Arbeit“, bemängelte Kirchner. Das wirke sich später auch auf die Renten aus. In diesem Zusammenhang kritisierte Kirchner auch die Pläne, das Rentenniveau generell weiter abzusenken. Auch die Arbeitnehmerpastoral des Erzbistums Bamberg machte den Niedriglohnsektor zum Thema: Viele Menschen, die im Niedriglohnsektor beschäftigt seien, würden teilweise von ihren Arbeitgebern gedrängt, Ausgleichzahlungen von den Arbeitsämtern und Jobcentern in Anspruch zu nehmen, anstatt einen Lohn zu erhalten, von dem man leben könne, kritisierte  Arbeitslosenberater Bernd Schnackig aus Herzogenaurach.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Coburger StefWhite Band.