Sorgen und Nöte in den Blick genommen

Wallfahrt "Arbeit ist Menschenrecht" nach Vierzehnheiligen
Die 13. Wallfahrt für Arbeitende und Arbeitslose führte wieder nach Vierzehnheiligen, den Ort, zu dem die Menschen ihre Sorgen hintragen und an dem sie sich angenommen fühlen. Sie stand unter dem Leitwort: „Wo es gerecht zugeht, da herrscht Friede, Ruhe und Sicherheit – für immer.“
„Dieses Bibelzitat drückt aus, dass wir uns nicht irre machen lassen wollen in unserem Bemühen um eine gerechtere Gesellschaft, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und um ein solidarisches Miteinander“, erklärte Betriebsseelsorger und Pastoralreferent Norbert Jungkunz. Eingeladen hatten die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der KAB Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen.
Nach der Begrüßung am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels durch Franziskanerpater Heribert und einem Gebet von Domkapitular Professor Peter Wünsche ertönte erstmals die Mahnglocke, und die Wallfahrt setzte sich in Bewegung.
Angeführt wurde sie von Mitarbeitern des Hallstadter Michelin-Werks. Sie trugen das Banner mit der Aufschrift „Arbeit ist Menschenrecht“ und erinnerten dabei an die schrittweise Einstellung der Produktion in ihrem Unternehmen bis 2021. 860 Mitarbeiter werden dort ihren Job verlieren.
Mit einem Banner mit dem Schriftzug „Ich geh in die Luft! 950 + 200 Kollegen entlassen!“ verwiesen Simone Augustin und Alexandra Hösel auf die aktuelle Situation beim Zigaretten-Konzern „British American Tabacco“ (BAT). Nachdem bereits 2017 der Zigarettenhersteller in Bayreuth 950 Beschäftigte entlassen hat, werden bis Januar 2020 nochmals knapp 200 Stellen gestrichen.
Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika thematisierten an vier Stationen Betroffene die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit. Die musikalische Begleitung auf dem Weg zur Basilika übernahm eine Abordnung des Blasmusikvereins Bischberg.
„Auf dem Weg in die Lazarusgesellschaft?!“: Diese Frage stellten sich die Teilnehmer an der ersten Station. „Lazarus“ steht heute für Leiharbeit, befristete Arbeit, Niedriglohn, Harz IV, prekäre Arbeit, Armutsrente, unbezahlbaren Wohnraum, aber auch die Armut der Flüchtlinge und Vertriebenen und fast zwei Millionen arme Kinder. „Armut und Hartz VI – Die Würde des Menschen ist antastbar“, hieß es an der nächsten Station. Ist es angemessen, dass ehemalige Vorstandsvorsitzende von VW eine Betriebsrente von etwa 93 000 Euro im Monat bekommen, Hartz-IV-Empfänger aber monatlich mit 416 Euro plus Miete und Heizkosten auskommen sollen? „Soziale Sicherung – wichtig für unsere soziale Gerechtigkeit!“, lautete das Thema an der dritten Station, gestaltet von Mitgliedern der KAB. Seit Jahren würden die Leistungen durch Reformen reduziert. Die Folgen seien private Zuzahlungen der Sozialversicherten. Oder sie müssten mit den Lücken leben. An der letzten Station sprachen Betriebsseelsorger mit Betriebsräten über die Frage „Wo bleibt der Mensch? – Arbeitsbedingungen und Digitalisierung“.
Die Eucharistiefeier in der Basilika feierte Domkapitular Professor Peter Wünsche mit der Pilgergruppe. Im Anschluss an den Gottesdienst lud Pater Heribert die Wallfahrer zu einer herzhaften Suppe in den Klostergarten ein.







