Sozialdumping bekämpfen ist EU Sache

Europaabgeordneter spricht mit Berufskraftfahrer aus der Region
Lichtenfels. Die letzten Teilnehmer mussten sich die Stühle selber stellen. Der Saal der Gasstätte Walachei war vollbesetzt, der richtige Rahmen für den Fernfahrer Frühschoppen damit geschaffen. Berufskraftfahrer sind gekommen, die ihren Beruf mit Leidenschaft, Freude und großer Verantwortung wahrnehmen, aber als letztes Glied der Logistikkette fühlen sie sich wenig wertgeschätzt. Wichtiger und wie sich im Lauf der Veranstaltung herausstellte, richtiger Gesprächspartner war Ismail Ertug, Mitglied des Europa Parlament und verkehrspolitischer Sprecher der S&D Fraktion. Spürbar war das Interesse an den Fahrern und ihren Geschichten, die Ismail Ertug von Amberg an den Obermain an diesem Januarsonntag hatte fahren lassen. Der Familienvater diskutiert mit Leidenschaft und „labert“ nicht, wie die Frühschoppenbesucher feststellen. Seit 2009 sitzt der gelernte Krankenkassenbetriebswirt im Europaparlament und hat sich aus persönlichem Interesse für die Verkehrspolitik entschieden. Vier brisante Themenblöcke haben sich die Veranstalter vorgenommen. Zuerst die Beschreibung über die Arbeit im Europaparlament, danach die Forderung der Fahrer nach fairen Arbeitsbedingungen Europaweit, anschließend die Verschlechterungen der Löhne, der Frachten und der sozialen Standards, schließlich der Ausblick in die Zukunft der Fahrerberufs und der Logistik.
Verdruss und Frust über die europäischen Richtlinien schlagen dem Politiker entgegen, der seine parlamentarische Arbeit zur Umsetzung politischer Forderungen darstellt und für Unterstützung bei den Fahrern wirbt. Er will Sozialvorschriften und Sanktionen flächendenkend in der EU anzupassen. Er benennt die Leidtragenden der negativen Entwicklungen in einer boomenden Güterbranche, zum einen die Arbeitnehmer, die z.T. die schlimmsten Bedingungen annehmen müssen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Es sind aber auch die Unternehmen, die sich an die Spielregeln halten, die die Tarife einhalten – sie sind die Leidtragenden, weil sie dem Wettbewerb nicht mehr gewachsen sind. Er moniert die Auslagerung in Länder, die niedrige Löhne und Sozialstandards haben. Aufmerksam hört er aber auch den Berichten der Fahrer, der Unternehmer und der Kontrollbehörden zu. Fairer Wettbewerb braucht einfach mehr Kontrolle. David Merck, der ver.di Gewerkschaftssekretär mahnt gerade hier an, dass Politik wegschaut und gerade in Bayern Personal in diesen Bereichen eingespart worden ist. Deutlich wird in den Gesprächen auch, dass die Lobbyarbeit der Industrie und der Speditionsverbände darauf abzielt den Wettbewerb um Kostenreduzierung und Gewinnmaximierung auf die kleinen Unternehmen und den Fahrer abzuladen. Viele spezielle Fragen werden angesprochen und führen zu heftigen Diskussionen. Auch bei der Frage nach den Monstertrucks und dem fahrerlosen Fahren in der Zukunft zeigt sich Ertug als Kenner. Mit seiner Fraktion will er im Europaparlament für faire und sichere Arbeitsplätze auch in der Zukunft eintreten. Er lädt die Anwesenden ein, die Politik seiner Fraktion über seine Internetseite www.ertug.eu zu verfolgen.
Deswegen müssen wir die europaweite Untergrabung von Lohn- und Sozialstandards wirksam unterbinden. Die bisherigen Gesetze müssen wir ordentlich umsetzen; insbesondere die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten sind gefragt, das umzusetzen. (Ismael Ertug)
Alles hat seine Zeit- diskutieren und arbeiten, frei sein und aufrecht gehen. Mit den Worten des Propheten Kohelet schließt Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz den lebendigen Austausch und wünscht allen: „Ein Gutes Heimkommen – Jeden tag!.“

