Trotz Mangel der Hoffnung Ausdruck geben

Sozialpolitisches Aschermittwochsgebet der Kirchen in Erlangen
„Wir beten heute für Umkehr und eine faire Gestaltung unserer Gesetzgebung, damit alle Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können“, eröffnete Klaus Frank, Leiter der Kontaktstelle für Arbeitslose in Erlangen, das Sozialpolitische Aschermittwochsgebet auf dem Erlanger Hugenottenplatz. Damit spielte er insbesondere auf einen Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums an, der vorsieht, den Zugang zur Beratungs- und Prozesskostenhilfe noch weiter einzuschränken. Insbesondere Frauen, prekär Beschäftigte und Erwerbslose – also genau diejenigen, die auf Rechtshilfen angewiesen seien – wären davon betroffen, so Frank. Eine Unterschriftenliste zum Protest dagegen lag bereit.
„Wir als Berater in den Arbeitslosenberatungen nehmen überall Mangel wahr – bei den Hartz-IV-Empfängern, den Aufstockern, den Minijobern, den Leiharbeitern, den Niedriglöhnern, den Rentnern, den Behinderten, den Alleinerziehenden, den Flüchtlingen und vielen anderen“, sagte Frank. Ein menschenwürdiges, faires Existenzminimum sei erforderlich. Aber es gehe nicht allein um Geld, sondern um den Zugang zur öffentlichen Infrastruktur, wie zum Beispiel bezahlbaren Wohnungen, Energie, Kultur und Mobilität. Alle Güter müssten fair geteilt werden und dürften nicht nur einigen wenigen zukommen.
Bei Fasten und Umkehr, so Pfarrer Udo Zettelmaier, gehe es nicht nur darum, sich selbst etwas Gutes für Leib und Geist zu tun, sondern auch darum, sich für andere Menschen einzusetzen und einen öffentlichen sozialpolitischen Auftrag in der Gesellschaft zu erfüllen. Angesichts weltweit bestehender Ungerechtigkeit und ungleicher Güterverteilung gelte das Sozialpolitische Gebet allen Frauen und Männern weltweit, die um Gerechtigkeit kämpften.
„Sucht das Gute, nicht das Böse, dann werdet Ihr leben“, lautete das Leitwort des Gebets am Hugenottenplatz, das von dem Propheten Amos stammt“. Oswald Greim, Mitarbeiter in der Betriebsseelsorge der Stadtkirche Nürnberg, stellte den Vers in einen größeren Zusammenhang und zog Parallelen zwischen dem 5. Kapitel des biblischen Buchs und der heutigen Zeit eine Parallele. Amos habe in seiner Verkündigung, so Greim, scharfe Sozialkritik an den Verhältnissen seiner Zeit geübt. Er habe die Korruption der Richter und Priester sowie die Ausbeutung der Landbevölkerung durch den Königshof und die Oberschicht angeprangert und damit gegen die Klassengesellschaft aufbegehrt. Die Bauern hätten so hohe Abgaben zu bezahlen gehabt, dass sie sich verschulden, schließlich ihre Ländereien verkaufen und als Landarbeiter für Großgrundbesitzer arbeiten müssen. „Heute sind es unsere zu niedrigen Löhne und Niedriglöhne unter Hartz IV, mit deren Hilfe unsere politisch und wirtschaftlich Mächtigen noch mächtiger werden und ihre Macht auf den Rest Europas ausdehnen“, verglich Greim in die Gegenwart hinein.
Amos habe zwar gewarnt, in bösen Zeiten sei es klug, lieber zu schweigen, doch er selbst habe trotz Bedrohung, den Mut gehabt, die Ungerechtigkeit zu benennen: „Ihr bringt den Unschuldigen in Not, / Ihr lasst Euch bestechen / und weist den Armen ab bei Gericht.“ Greim schloss seine Worte mit einem Zitat Rosa Luxemburgs, wonach es die revolutionärste Tat bleibe, „das laut zu sagen, was ist“ und fügte noch ein Zitat von Vaclav Havel an: „Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“
Das Sozialpolitische Aschermittwochsgebet, an dem diesmal rund 40 Menschen teilnahmen, ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Katholischen und des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Erlangen, der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Erlangen, der Katholischen Betriebsseelsorge der Erzdiözese Bamberg, des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirch, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und der aktionsgemeinschaft für arbeitnehmerfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche.
