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Vorsitzende von Förderverein und Stiftungsrat zur Schließung des Bildungshauses Obertrubach

Bildungshaus Obertrubach
Datum:
Veröffentlicht: 15.2.21
Von:
Brigitte Pich, Heinrichsblatt Nr. 7, 14.02.2021

„Die Leute sind einfach fassungslos“

Das Bedauern und die Betroffenheit sind groß. Auf Seiten der Mitarbeiter ebenso wie auf Seiten der vielen Gäste. Für sie alle ist die Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte Obertrubach in all den Jahren zur Heimat geworden. Zum Jahresende 2021 schließt das Haus.„Die Entscheidung hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten für den Stiftungsrat angebahnt“, erklärt Dr. Manfred Böhm, Vorsitzender des Stiftungsrats. Auslöser war die Corona-Krise. Zum einen die Ausfälle während der beiden Lockdowns, zum anderen die  Stornierungen dazwischen. „Viele haben ihre Buchungen aus Unsicherheit zurückgezogen. Und Großveranstaltungen konnten wegen des Hygienekonzeptes nicht stattfinden“, so Böhm. „Das alles hat zu massiven finanziellen Einbrüchen geführt, die einfach nicht mehr zu händeln waren. Wir haben alles versucht. Aber es ging nicht mehr“.

Ob Arbeitslose, Betriebsräte oder Gewerkschaftsmitglieder – für die Hausgäste war es eine Art Heimat. „Unser Obertrubach“, das habe Betriebsseelsorger Böhm oft gehört. „Die Menschen haben sich mit dem Haus identifiziert“.

„Es war unser Haus“

Natürlich werde es die Angebote der Betriebsseelsorge auch über das Jahr 2021 hinaus geben. „Aber wo, das wissen wir noch nicht“. Einen Ersatz zu finden, wird nicht so einfach sein, da die Atmosphäre des Bildungshauses Obertrubach eine große Rolle spiele. „Da waren wir wohl gelitten. Es war unser Haus“, betont Böhm.

In diesem Jahr werden die Angebote der Betriebsseelsorge stattfinden, sobald das Haus coronabedingt wieder aufmachen darf und soweit Angebote für 2021 gebucht wurden.

Für die Region ist das Bildungshaus ein wichtiger Arbeitgeber, über 20 Menschen stehen hier in Lohn und Brot. Auch deshalb hatte der Stiftungsrat gehofft, das Haus bis 2023 halten zu können und bis dahin einen neuen Träger zu finden, der eventuell die Mitarbeiter zumindest teilweise übernimmt. „Wäre Corona nicht gewesen, hätte das wohl auch geklappt“, meint Böhm. „Corona hat die Bilanz komplett verhagelt“.

Aufgrund der insgesamt schwierigen Situation für die Einrichtung war eigentlich geplant, das Haus bis Ende 2023 selbst zu führen und dann gleitend in eine neue Trägerschaft zu übergeben, erläutert der Vorsitzende des Fördervereins Udo Scherzer. Doch das jetzt entstandene Defizit sei so groß, dass es trotz finanzieller Unterstützung Dritter nicht mehr gedeckt werden kann.

Scherzer bedauert dies auch als Mitglied der Arbeitnehmerbewegung, die neben dem Erzbistum, der Betriebsseelsorge und der CAJ das Bildungshaus in Obertrubach trägt. „Für die KAB bedeutet es: wir haben kein eigenes Haus mehr. Ein Haus das wir uns schwer erkämpft haben“, sagt Scherzer und erzählt von der Planung und der Entwicklung der Bildungseinrichtung.

Er sei mit dem Haus von der Planung an sehr verbunden. „Es war mir ein Herzensanliegen. Wir haben viele Arbeitsdienste geleistet beim Umbau des Hauses“. Ob Elektroleitungen oder Wasserinstallation raus- und Wände eingerissen werden mussten, fast alles geschah in Eigenregie, um Kosten zu sparen. „Da hängt viel Herzblut dran“, weiß der KABler. „Wahnsinn, was da an Arbeitseinsätzen geleistet worden ist, „blickt er anerkennend an seine Mitstreiter zurück. „Nach 22 Jahren müssen wir jetzt sagen: Schluss und aus.“

Scherzer habe schon viele Anrufe als Reaktion auf die Schließung bekommen. „Die Leute sind einfach fassungslos“.

Nach 2023 hätte es keine Zuschüsse mehr aus dem Ordinariat gegeben, berichtet Scherzer, und verweist darauf, dass es bereits Kontakte und Angebote von möglichen neuen Trägern gegeben habe. „Durch Corona ist alles zum Stillstand gekommen.“

2020 habe es noch einen coronabedingten Zuschuss vom Ordinariat gegeben, wie für die anderen Bildungshäuser auch. Ein weiterer „Coronazuschuss“ für 2021 wäre aber von den bis 2023 zugesagten Zuschüssen abgezogen worden. Auch wenn das Personal teilweise in Kurzarbeit ist, blieben zu hohe Fixkosten und ein Bankdarlehen. „Hätten wir die Augen zugemacht und weiter gearbeitet, hätten wir 2022 Konkurs anmelden müssen“, erklärt Scherzer die Entscheidung, das Haus zu schließen. „Das wäre ein verschleppter Konkurs gewesen, also strafbar“. Es sei ja absehbar gewesen, dass das Geld irgendwann aufgebraucht ist. „Wir waren gezwungen, es gab keine andere Möglichkeit, alles andere wäre unverantwortlich gewesen“. Auch mit Blick auf die Beschäftigten mache eine kontrollierte Schließung Sinn, bei der noch etwas Geld übrig ist am Schluss für eine kleine Abfindung in welcher Form auch immer, meint Manfred Böhm. Mit der zum 31. Dezember anvisierten Schließung könnten noch Mittel sichergestellt werden, um den Beschäftigten sozialverträgliche und einvernehmliche Lösungen zur Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse anzubieten. „Wir wollten das zivilisiert über die Runde bringen“.

Und so fiel in der Stiftungsrat- Sitzung Ende Januar die Entscheidung, das Bildungshaus Obertrubach zum Jahresende zu schließen.

„Die Entscheidung ist dem Stiftungsrat nicht leichtgefallen“, sagte denn auch Generalvikar Georg Kestel, „ verlieren doch etliche Besucherinnen und Besucher ein Haus, das sie liebgewonnen und auch immer wieder unterstützt haben.“

Die Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte steht allen Arbeitnehmern offen. Sie wird auch von Pfarrgemeinden für Fortbildungen oder Einkehrtage, oder von Schulklassen für Orientierungstage genutzt. Familienfeiern, Caritas-Schulungen, firmeneigene Schulungen für Auszubildende oder Tagungen von Unternehmensvorständen – auch sie finden im Bildungshaus Obertrubach geeignete Räume. Bis zu 107 Gäste finden Übernachtungsmöglichkeiten mit Bewirtung. Es gibt mehr als zehn Seminar-und Tagungsräume von 20 bis 110 Quadratmetern.