Wallfahrer pilgern für Gerechtigkeit

Bei der traditionellen Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen steht das Weltgericht nach Matthäus im Mittelpunkt.
Vierzehnheiligen - "Arbeit ist Menschenrecht - Wege der Gerechtigkeit gehen" dieses Leitmotiv stand im Mittelpunkt der traditionellen Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen. Eingeladen hatten die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen Bad Staffelstein.
Die Wallfahrt begann am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels. Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika wurden an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit durch Betroffene in Gebeten und Meditationen thematisiert und eine Vision einer gerechten Welt entwickelt. Das alte Israel habe die Befreiung von der Unterdrückung und Sklaverei in Ägypten erfahren und damit Gott als leidenschaftlichen Kämpfer für gerechte Lebensverhältnisse seines Volkes erlebt, hieß es.
In diesem Jahr stand das Weltgericht im Mittelpunkt, wie es der Evangelist Matthäus im 25. Kapitel beschreibt. Der Grund für die Teilhabe am ewigen Reich seien Liebeswerke an den Notleidenden und Armen. Ein wichtiges Gebot sei, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Die Reichen sollten mit den Armen teilen. Gerade jetzt, wenn der Hunger die Menschen auf Nussschalen ins Meer treibe.
Viele seien ertrunken auf dem Weg in das gelobte Land. Wer seine Heimat verlasse auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft, werde dazu gezwungen. Europa verriegle seine Grenzen und mache es den Flüchtlingen immer schwerer, Schutz vor Verfolgung und Sicherheit für ihr Leben zu finden.
Grundwerte achten
Die Wallfahrer machten deutlich: "Als Kirche und Gewerkschaften stellen wir uns auf die Seite der Flüchtlinge, denn Flucht ist kein Verbrechen, es ist eine lebenserhaltende Maßnahme." Die Pilger forderten eine Flüchtlingspolitik, die im Einklang stehe mit den Grundwerten, auf denen die europäische Zivilisation basiere.
Den 37. Vers des Evangeliums "Ich war krank, und ihr habt mich besucht" nahmen die Wallfahrer zum Anlass, Verbesserungen im Gesundheitssystem zu fordern. Zum Beispiel mehr Personal für die Pflege, eine menschenwürdige Begutachtung in der Praxis oder mehr Anerkennung und Unterstützung durch den Gesetzgeber.
Beim Wallfahrtsamt in der Basilika griff Domkapitular Peter Wünsche ein Wort des Evangelisten Matthäus auf. Er fragte, ob man das Bild von Jesus als strengen Richter heute noch gebrauche. Das Weltgericht, der richtende Gott sei immer wieder dazu missbraucht worden, Angst zu machen - ausgerechnet den Kleinen, Machtlosen und Armen. "Verhaltet euch ruhig, gehorcht der Obrigkeit, damit ihr dann im Letzten Gericht bestehen könnt", heiße es oft. "Doch so ist es nicht - ein gerechter Richter verteidigt das Recht der Armen gegen die Ansprüche der Mächtigen", sagte der Geistliche.
Hoffnung mache die Erzählung denen, die jetzt keine Rechte hätten, denen eine Arbeit vorenthalten werde, denen für ihre Arbeit kein gerechter Lohn gezahlt werde, deren Freiheit eingeschränkt werde, denen sogar das Leben bedroht oder genommen werde.
Hoffnung mache diese Erzählung auch denen, die versuchen, an der Gerechtigkeit mitzuarbeiten, Leid zu mindern und Würde zurückgeben. Das Evangelium sei eine Einladung, Gerechtigkeit einzufordern für sich selbst, aber auch für Unterdrückte und Ausgebeutete, für Gemobbte und Hinausgedrängte;, für die ganz Nahen, aber auch für die, die aus der Ferne in die Gemeinschaft kommen. Mitzelebranten waren Diakon Herbert Meyer aus Mainleus und Pfarrer Joseph Kata aus Arnschwang.


