„Wir sind da“: Beratungsstellen sind gerade in der Krisenzeit nachgefragt

Zeit zum Zuhören und Reden
Egal ob Katholische Betriebsseelsorge, Landwirtschaftliche Familienberatung oder auch die Katholische Blinden- und Sehbehindertenseelsorge – in Krisenzeiten wie jetzt, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragter denn je. „Und wir sind natürlich für die Menschen da“, so der Leiter der Arbeitnehmerpastoral im Erzbistum Bamberg, Dr. Manfred Böhm, im Telefongespräch mit dem Heinrichsblatt.
Vor kurzem haben Böhm und seine Kolleginnen und Kollegen in der Betriebsseelsorge ein Rundschreiben an die Betriebsräte im Erzbistum geschickt, „weil wir zeigen wollen, dass wir für die Menschen auch und gerade in dieser Zeit da sind“, so Böhm. So seien zwar vor allem und zuerst einmal die Betriebs-, Personlaräte, die kirchlichen Mitarbeitervertretungen oder die Gewerkschaften die Ansprechpartner bei Sorgen, doch die Arbeitnehmer können sich auch direkt an die Betriebsseelsorger in Bamberg, Kronach oder Nürnberg wenden.
„Wir bieten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, über das, was sie bedrängt und bedrückt, mit uns auch persönlich ins Gespräch zu kommen“, konstatiert der Leiter der Betriebsseelsorge. Dies könne entweder telefonisch, per E-Mail oder auch persönlich im Büro – letzteres natürlich unter Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen – geschehen.
Dr. Böhm: „Wir nehmen uns Zeit zum Zuhören und Reden. Wir können gemeinsam überlegen, wenn konkrete Hilfe gebraucht wird.“ Für ihn wäre es eine „seelsorgerliche Unterlassung“, wenn es dieses Angebot zur jetzigen Zeit nicht geben würde.
Nach seiner Aussage und als Erfahrung aus den bisherigen Gesprächen, hat sich die Überlastung der Arbeiter in den Betrieben und Unternehmen, die noch produzieren beziehungsweise geöffnet haben, verstärkt. Zugenommen haben aber vor allem die Existenzängste gerade von Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten. „Wenn ihnen jetzt noch durch Kurzarbeit oder Schließung ein Teil ihrer Einkünfte wegfällt, dann ist das eine Katastrophe“, so Böhm. „Für viele, zum Beispiel auch für Leiharbeiter, stellt sich derzeit die Frage, wie es nach der Krise weitergeht, ob sie an ihrem Arbeitsplatz bleiben können, oder ob sie arbeitslos werden.“ Und daraus entstünde dann die Angst, wie man die Familie weiter ernähren kann.
In diesem Zusammenhang zitiert Dr. Böhm den Dichter Friedrich Hölderlin, dessen Geburtstag sich heuer zum 250. Mal jährt. Hölderin sagte einmal: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“
Nach Böhms Aussage ein Satz, „der für manchen auch in der derzeitigen Krise eine Hoffnung sein mag, eine Hoffnung darauf, dass dieser Zustand, solange er sich auch hinziehen mag, einmal doch überwunden wird“. Noch seien alle „Gefangene der Situation, noch kommt es auf jede und jeden von uns an, dass wir als Gemeinschaft einigermaßen glimpflich da raus kommen. Und auch wenn gerade alles abgesagt wird, bleiben Mitmenschlichkeit und Solidarität immer angesagt“.
Auch die Landwirtschaftliche Familienberatungsstelle Bamberg ist mit ihrem Beratungsangebot für Familien aus der Landwirtschaft, die in persönlichen, betrieblichen oder familiäreren Krisensituationen sind, in Zeiten der Corona-Krise da, wie aus einer Mitteilung von Fritz Kroder hervorgeht.
Auch wenn eine persönliche Beratung laut Kroder aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und zum Schutz aller nicht möglich sei, ist die Beratungsstelle auch weiterhin telefonisch erreichbar und es werden von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach Vereinbarung Telefonberatungen angeboten.
Wie der Leiter der Landwirtschaftlichen Beratungsstellen betont, sind zur Zeit viele Menschen verunsichert und haben Ängste. Kroder: „Die Angst vor Ansteckung, Fragen wie geht es mit unserem Betrieb weiter, wenn Familienangehörige krank werden oder wie schütze ich am besten unsere Eltern und Schwiegereltern , die mit uns täglich im Betrieb arbeiten, belasten landwirtschaftliche Familien.“
Zudem würden aber auch betriebliche Fragen oder Fragen zu einer anstehenden Hofübergabe, die viele Fragen und Beratungsbedarf erfordern, derzeit ungeklärt und würden die Menschen und den schon von Haus aus sehr arbeitsintensiven Alltag zusätzlich belasten.
Die Hoffnung, dass bald wieder Treffen möglich sind, drückt Regine Schramm von der Katholischen Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in ihrem österlichen Rundschreiben aus. „Aber sobald es möglich ist, werden wir uns wieder am 2. Montag im Monat beim BBSB in Nürnberg von 14 bis 16 Uhr treffen“, schreibt Regine Schramm. Abgesagt sei zudem die Wahl des Vorstands vom Katholischen Blinden- und Sehbehindertenwerk, die am 25. April stattfinden sollte. Ein neuer Termin werde rechtzeitig bekannt gegeben. „Was uns bleibt, ist das Telefon“, so Regine Schramm. So habe sie in den vergangenen Tagen viel telefoniert und auf diesem Weg Kraft und Ermutigung erfahren. Zusätzlich werde sie einen Anrufbeantworter installieren, auf dem sie regelmäßig kleine, ermutigende Texte und Gedanken aufsprechen werde. „Manchmal tut es einfach gut, eine vertraute Stimme zu hören.“
Ansprechpartner
Die Betriebseelsorger sind folgendermaßen erreichbar:
- Katholische Betriebsseelsorge Bamberg: Dr. Manfred Böhm, Tel. 09 51 / 9169-150, E-Mail: manfred.boehm@arbeitnehmerpastoral-bamberg.de;
Norbert Jungkunz, Tel. 09 51 / 9169-151, E-Mail: norbert.jungkunz@arbeitnehmerpastoral-bamberg.de. - Katholische Betriebsseelsorge Kronach: Eckhard J. Schneider, Tel. 0 92 61 / 52016, E-Mail: e.j.schneider@arbeitnehmerpastoral-bamberg.de .
- Katholische Betriebsseelsorge Nürnberg: Barbara März, Telefon 09 11 / 24449481; E-Mail: barbara.maerz@erzbistum-bamberg.de
Martin Plentinger, Telefon 0911 / 24449480; E-Mail: martin.plentinger@erzbistum-bamberg.de .
Die Landwirtschaftlichen Beratungsstellen Bamberg sind telefonisch erreichbar Montags, Mittwochs und Freitag unter Telefon 0 91 94 / 796767 oder 0171 / 3019988.
Die Katholische Blinden- und Sehbehindertenseelsorge ist erreichbar unter Tel. 0911 / 7940398 oder per E-Mail: regine.schramm@tonline.de; Anrufbeantworter: 0911 / 9713590.
Mutmacher zur Corona-Krise von Dr. Manfred Böhm: https://arbeitnehmerpastoral-bamberg.de/aktuelles/hoerfunk/index.html