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Würde teilen heißt Solidarität

Arbeitnehmer_innenwallfahrt 2014
Datum:
Veröffentlicht: 10.10.14
Von:
Christoph Gahlau

Sie ist ein Energiebündel. Carmen Kühn kümmert sich um die Sorgen und Nöte ihrer Patienten und um die ihrer Kolleginnen und Kollegen. Die 53-Jährige ist Krankenschwester in einem Reha-Zentrum in Bad Rodach und Betriebsrats-Vorsitzende. Obwohl sie eigentlich Anspruch darauf hätte, komplett für ihre Tätigkeit als Betriebsrätin freigestellt zu werden, tut sie dies bewusst nicht. Jedes zweite Wochenende streift sie sich den Schwesternkittel über. „Ich will wissen, wie es meinen Kollegen auf der Station geht. Ich will aber auch wissen, wie es den Patienten bei uns geht.“

Doch dieses Mal hat Carmen Kühn frei. Mit ihrer Enkelin kommt sie gut gelaunt zum Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels, dem Start der Arbeitnehmerwallfahrt. Von hier aus geht es über die Fluren und an Alleen entlang zur barocken Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen.

Die Wirtschaft brummt, schon lange waren nicht mehr so viele Menschen in Lohn und Brot wie zurzeit. „Stimmt“, sagte Manfred Böhm, der Leiter der Betriebsseelsorger im Erzbistum Bamberg und fügt hinzu: „Aber viele Menschen sind im Niedriglohnbereich beschäftigt. Sie können sich und ihre Familie von ihrem Verdienst nicht ernähren. Unter anderem deswegen erschallt auf dem Weg fünf Mal die Mahnglocke auf dem Weg von Lichtenfels nach Vierzehnheiligen.

Die Anbetung des Mammon, die zunehmende Globalisierung und die Würde des Menschen sind Themen der Wallfahrt, die zum Nachdenken anregen sollen. Carmen Kühn trägt vor: „In unseren Betrieben braucht es mehr an Mitbestimmung, um dem wachsenden Druck auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Grenzen zu setzen.“

„Arbeit ist Menschenrecht“ – hinter diesem Transparent der katholischen Betriebsseelsorge reihen sich nicht nur katholische Arbeitnehmer ein, sondern auch Gewerkschaftsvertreter. Die Coburger Dekanatswallfahrt schließt sich ebenfalls diesem Motto an. Und so ziehen sie vereint mit ihren Fahnen hinein in die Basilika, um im anschließenden Gottesdienst Gott zu danken und aber auch um zu bitten für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.

Nicht in eine Königs- oder Kaiserfamilie, sondern in eine Handwerkerfamilie sei Jesus hineingeboren worden. Das Leben sei damals schwierig gewesen, die Steuern hoch. Die Menschen damals hätten es nicht einfach gehabt, erinnert der Rödentaler Pfarrer Peter Fischer in seiner Predigt in der Basilika. Gerade deswegen ist Jesus immer auch für die Armen und Schwachen eingetreten. „Es ist Gott, der uns die Würde gibt und die uns niemand nehmen kann“, sagt Pfarrer Fischer und ermutigt die Gläubigen zur Solidarität. Solidarisch geteilt wurden nach dem Gottesdienst Gemüseeintopf mit Wiener. Die Franziskaner luden dazu bei strahlendem Sonnenschein in ihren Klosterhof ein.

Für Carmen Kühn war auch die diesjährige Arbeitnehmerwallfahrt wieder sehr beeindruckend. Sie hat gebetet und gesungen und zwar nicht nur für die heutige Generation der Arbeitnehmer, sondern auch für die zukünftigen Generationen. „Denn der Mensch muss das Maß bleiben“, fordert die Krankenschwester und Betriebsrats-Vorsitzende aus Bad Rodach.

Arbeitnehmer_innenwallfahrt 2014
Arbeitnehmer_innenwallfahrt 2014
Arbeitnehmer_innenwallfahrt 2014
Arbeitnehmer_innenwallfahrt 2014